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ASTOVE, SEYCHELLEN; FEBRUAR 2015

Seit Tagen bin ich beim Packen für den Trip nach Astove/Seychellen. Ich kenne Astove schon recht gut und weiß eigentlich, was ich dort brauche. Trotzdem überlege ich immer doppelt, ich will ja nichts vergessen. Natürlich nehme ich immer viel zu viel mit, aber das ist jedenfalls besser, als wenn man dann vor Ort etwas vermisst.

Für das GT-Fischen habe ich Schwarz/Purple und Tan/White Hollow Flies mit extra large Island Fox Haar gebunden. Andrew Warshawer bindet wahrscheinlich die coolsten Hollow Bucktail Streamer. Er hat mir einige Farben gebunden, die ich auch mitnehme. Für Bones, Permit usw. habe ich meine gefüllten C&F Boxen dabei.

Akribisch vorbereitet geht es am 14. Februar nach München zum Flughafen. Ich fliege mit Etihad nach Abu Dhabi und weiter nach Mahé/Seychellen. Nach der Landung fahre ich zum Crown Beach Hotel, das Aardvark Mc Leod für mich gebucht hat. Ich lerne meine Kollegen Sam aus den USA und Ronnie und Butler, zwei Engländer, kennen. Wir haben einen netten Abend zusammen und gehen zeitig ins Bett. Was nichts nützt, ich schlafe schlecht.

Die Übernachtung in Mahé ist nervig, aber leider geht der Charterflieger von IDC frühmorgens von Mahé nach Assumption und Astove, es gibt keine Flugverbindung, die eine Anreise am selben Tag ermöglicht. Am nächsten Morgen starten wir pünktlich. Eine Zwischenlandung auf Alphonse ist geplant, der Flug ist ziemlich turbulent. Kurz vor Alphonse wird daraus ein Sturm, und wir können nicht landen. Wir müssen zurück nach Mahé und werden es abends oder am nächsten Morgen, sobald das Wetter sich verzogen hat, wieder probieren. Das Letzte was wir hören wollen! Wir sind mega enttäuscht. Wir bleiben im neu erbauten Hotel Eden Paradise und können erst am 17. Februar über Alphonse nach Astove fliegen, wo wir am späten Vormittag ankommen.

Um 12:20 Uhr geht es endlich zum Fischen. Eigentlich zu spät, denn die Flut ist schon ziemlich stark. Da wird es im Surf schwierig, weil die Wellen hoch sind und schon zu viel Wasser ans Ufer peitscht. Außerdem bin ich übermüdet. Anfangs hake ich einen Bluefin und dann einen kleinen GT, aber ich verliere beide Fische. Vor Hitze und Anstrengung wird mir fast übel, ich entscheide vorzeitig abzubrechen.

Auf Astove ist eine brandneue Lodge für 12 Gäste entstanden, wir sind die zweite Gästegruppe. In Zukunft sollen für jeweils zehn Wochen im Frühjahr und im Herbst je sechs Fliegenfischer dort fischen können. Die restliche Zeit gehört den Tauchern. Die kleinen Villen sind fertiggestellt; sie sind sehr einfach eingerichtet, aber es ist alles da, was man braucht. Ein kleiner Pool und ein Restaurant sind noch in Bau. Es ist also alles noch ein wenig einfach, aber das Essen schmeckt ausgezeichnet. Es ist angenehm, nach einem anstrengenden Angeltag abends wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Man erholt sich einfach viel besser.

Die Guides

Die besten Guides der Seychellen sind vor Ort – und mit Cameron, Serge, Christiaan und Wayne wohl auch die Bekanntesten und Erfahrensten. Ich kenne sie nun schon alle gut, und ich mag sie alle: Jeder hat seine besondere Art.

Das Team

Außerdem sind wir Angler eine super Truppe. Ich treffe Jörn wieder, diesmal mit seiner Frau Ulla, außerdem sind da noch Ronny und Sam und Sarah.

Das Angeln

Wir haben nur mehr fünf volle Tage: Einen haben wir wegen des Wetters verloren, und am Ankunftstag waren wir alle übermüdet. Wir wissen aber, dass wir eine Springflut haben werden. Ich kenne das von meiner ersten Angelerfahrung auf Astove. Da geht normalerweise im Surf die Post ab.

Die Lagune ist diesmal voll mit Bones. Ich selbst konzentriere mich auf die Gangster der Flats: Ich liebe es, auf GTs zu fischen! – Auch wenn es super ist, einen Bone nach dem anderen zu fangen. Mir sind die GTs lieber, und ich halte Ausschau nach Rochen und dunklen Schatten. Besonders auffallend ist die große Anzahl an Bonefish vor dem Surf. Teilweise sind da Schulen von 100 Fischen bis über 10 Pfund. Zwischendurch fange ich dann auch den einen oder anderen Bone. Ihre Kampfkraft ist wirklich außerordentlich.

Seychelles Grand Slam. Am dritten Tag landen Serge und ich einen „Seychelles Grand Slam“. Das bedeutet: Bonefish, Trigger und GT an einem Tag!

Jeder Tag ist der Wahnsinn! Weniger als 7-8 GTs hake ich nie, insgesamt sind es in den fünf Tagen 27 GTs.

Einen außergewöhnlichen Tag erlebe ich mit Serge im Surf, wo wir die GTs von Weitem sichten und ich fast jeden perfekt anwerfen kann. Auch mit Cameron und Christiaan bin ich im Surf, wo die GTs auf den Rochen im ganz flachen Wasser kommen.

Dann kommt der Tag mit Wayne im Surf beim Wrack. Wayne zeigt mir nach dem Lunch eine Stelle und fordert mich auf, ein paar „blind cast“ ins tiefere Wasser zu machen. Ich gehe zur bezeichneten Stelle, dort ist eine Kante. Überall Korallenblöcke und Bommies, da einen zu landen wird schwer, denke ich noch. Dann sehe ich einen riesen GT mit der Welle kommen! Ich sehe nur die Schwanzflosse und den Rücken im weiß schäumenden Wasser. Mir ist gleich klar, das ist ein kapitaler Fisch. Ich rufe Wayne und beginne in die Richtung zu werfen. Der GT kommt sofort, verfehlt meine Fliege, sieht mich aber offensichtlich nicht. Noch ein paar Würfe, und er kommt mit vollem Speed und attackiert meine Fliege mit Brachialgewalt. Wayne erkennt, mit wem wir es zu tun haben, und er fordert mich auf, den Fisch so hart zu nehmen wie es geht. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. All die Korallenblöcke – ich glaube fast nicht an eine Chance. Ich gebe dem Fisch kaum Schnur und halte sie so fest, dass ich knapp vor dem Schnurbruch stehe. Zweimal drehe ich den Fisch in der Welle komplett, nur einmal geht er kurz ins Backing. In die Tiefe schafft er es nicht mehr wirklich, ich habe es ihm voll gegeben. Beim ersten Einschwenken ins flache Wasser hat Wayne den Fisch schon an der Schwanzflosse. In drei, vier Minuten ist er gelandet: Er ist 120 cm lang. Wayne und ich sind überglücklich. Danach sehen wir uns noch einige Male die Stelle an und können es immer noch nicht glauben.

Alle haben eine super Woche und genießen das schöne Wetter und die Wahnsinnsfischerei. Jeder fängt seine Traumfische. Am vorletzten Tag fängt Jörn noch einen kapitalen GT mit 117 cm – seine Freudenschreie höre ich bis an die andere Lagunenseite!

Das Schnorcheln

Die Unterwasserwelt um Astove sucht ihresgleichen. Das kann man nicht auslassen! Zweimal investiere ich ein Stündchen, um sie zu erforschen und ein paar Aufnahmen mit meiner Unterwasserkamera zu machen.

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