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CHILE, PATAGONIEN, DEZ 2011/JÄNNER 2012

Wenn der Winter bei uns einkehrt und der Schnee fällt, dann ist es meist vorbei mit dem Angeln. Die Rutenringe frieren zu und die Aktivität der Fische geht auf ein Minimum zurück. Es beginnt die Zeit des Wartens oder Vorbereitens. Man kann Fliegen binden und die Fliegendosen perfektionieren. Für einen wahrhaftigen „Aficionado“ wie ich es bin, wird die Zeit lang – und so entschloss ich mich, in die südliche Hemisphäre und damit dem Sommer nachzureisen. Mein Reiseziel: Patagonien in Chile.

ANREISE MIT HINDERNISSEN

Die Anreise von Innsbruck über Frankfurt und Madrid nach Santiago de Chile dauert ganze 20 Stunden und ist wirklich beschwerlich.

Froh, endlich in Santiago angekommen zu sein, muss ich am Flughafen einen Tiefschlag einstecken: Gepäckstücke fehlen! Und sind ausgerechnet mein Rutenrohr und die Tasche mit meiner Kleidung und der Ausrüstung. Ich reklamiere beim IBERIA Schalter, und es wird mir versichert, dass ich das fehlende Gepäck am nächsten Tag bekommen würde. Durch den ganzen Wirbel versäume ich dann noch meinen Anschlussflug nach Balmaceda, Patagonien, und ich muss auf den Flug am nächsten Tag warten. Mein Frust erreicht den Höhepunkt, als am nächsten Tag noch immer keine Spur von meinen Gepäckstücken ist. // Meine Idee, in der Lodge anzurufen, ist zahlt sich aus: Der Besitzer kann mich beruhigen, er hat alles Notwendige lagernd und kann mich ausstatten. Ein holpriger Start – aber nun soll es richtig losgehen.

DIE SALMO PATAGONIA LODGE UND LUIS ANTUNEZ

Luiz Antunez, der Besitzer der Lodge, holt mich am Flughafen in Balmaceda ab. Nach etwa 40 Minuten Fahrt gelangen wir zur Salmo Patagonia Lodge in Coyhaique – und da traue ich erst einmal meinen Augen kaum: Luiz hat mehr Ruten und Rollen als so mancher kleine Flyshop! Seine Mitarbeit bei der Entwicklung von Sage-Ruten verhilft ihm zu den neuesten Modellen in allen Schnurklassen.

Mein Outfit ist eher dürftig: Die Wathose zwei Nummern zu groß und die Regenjacke hat auch schon bessere Tage gesehen. Das Wichtigste aber ist, dass ich fischen kann!

Die Lodge liegt ausserhalb von Coyhaique auf einem Hügel und ist wunderschön und mit viel Charme eingerichtet. Eine echte Fliegenfischer-Lodge, voll mit Trophäen und Fotos von kapitalen Fischen. Nach seinem Studium in Spanien baute Luiz dort einige Flyshops auf. Später ging er nach Chile, wo er seit 20 Jahren lebt und seine Lodge betreibt. Er kennt die Gegend wie seine Westentasche; in einem Umkreis von ein paar hundert Kilometern ist ihm wirklich jedes gute Gewässer bekannt. Selbstverständlich ist er ein ausgezeichneter Fischer und ein begnadeter Werfer und noch dazu sehr praktisch veranlagt. Seine Frau Lourd und die Köchin Gloria sorgen dafür, dass die Kulinarik nicht zu kurz kommt.

1. TAG: SIMPSON RIVER, COYHAIQUE

Am Anreisetag angeln wir am Simpson River in Coyhaique. Das Wunderbare an den Flüssen Chiles ist, das es keine Regulierungen gibt. Sie schaffen sich ihr natürliches Flussbett. Die Folge davon sind Überschwemmungsgebiete und perfekte Laichplätze für die Fische.

Die Aktivität der Fische ist derzeit auf den frühen Morgen und die späten Abendstunden beschränkt. Mit Sonnenuntergang beginnt eine extremer Caddis-Schlupf, die Wasseroberfläche wird lebendig und die Fische steigen.

Ich fange an diesem Abend einige Regenbogen und bemerke, wie stark die Fische dort sind. Schon eine Regenbogen mit 45 cm gibt einem echt eine Aufgabe am 5er Gerät.

2. TAG: LAGO ALTO

Heute fahren wir zum Nationalpark Cerro Castillo. Wunderschöne Landschaft, beeindruckende Gletscherblicke und extreme Weite beeindrucken mich. Ich bin begeistert wie schön es in Chile ist und kann alle gut verstehen, die die lange Reise auf sich nehmen und hier zu wandern und die Natur zu erforschen.

Wir fischen an einem kleinen See, der eingebettet zwischen den Bergen mitten im Wald liegt. Lago Alto nennt ihn Luiz. Dort pirschen wir und suchen 10 bis 15 Meter voraus nach Bachforellen. Einen Tag lang zusammen mit Luiz Sichtfischen auf Bachforellen – das ist ein Erlebnis der Superlative. // Einfach ist es nicht: Der Wind ist stark, und die Schnur verhängt sich immer wieder im hohen Gras. Ich verspiele ein paar gute Chancen. Aber schließlich fange ich vier schöne, kampfstarke Bachforellen von 40 und 50 cm Länge mit Damselflies.

Am Abend dann Trockenfliegenfischen im Dunkeln am Simpson River. Ich fange noch sechs Forellen; drei davon im Stockfinsteren mit Rehhaarcaddis – ich bin fasziniert.

3. TAG: BUTTERFLY LAKE

Wir fahren zum Butterfly Lake. Es gibt unzählige, namenlose Seen in Patagonien, Luis ist kreativ und gibt ihnen einen Namen. Der See liegt auf dem Land, das Luis vor Jahren gekauft hat. Mitten im Wald, idyllisch am See gelegen, hat er dort auch eine romantische Blockhütte aufgestellt. Ich fische an diesem Platz und fange viele Forellen mit bis zu 50 cm. Der Fischbestand ist so stark, dass es eigentlich keine große Herausforderung ist.

4. UND 5. TAG: RIO DE ORO, NEVER, NEVER LAKE

Señor Luis, der Vater des Lodgbesitzers, fischt heute mit mir am *Rio de Oro”. Mit seinen 84 Jahren ist er so fit alt, dass ich mit seinem Tempo kaum mithalten kann, als wir eine halbe Stunde lang über steiles Gelände zum Flusslauf wandern. Es macht ihm nichts aus, bis zu den Oberschenkeln im Wasser zu stehen; logischerweise ist er ein ausgezeichneter Trockenfliegenfischer. Bewundernswert!

Über 20 Bachforellen, auch viele kleine, fange ich an diesem Tag. Ein bedauerliches Erlebnis ist der Anblick der Didymo Alge (auch Felsenrotz genannt), die am Unterlauf des Flüsschens jeden Stein belegt hat. Luis erzählt mir, dass innerhalb eines Jahres die Alge jeden Stein belegt hat und sich extrem vermehrt. Sie zerstört das Ökosystem.

Am Tag danach fischen wir am Never, Never Lake. Ich hake sehr viele Regenbogenforellen, viele davon allerdings recht klein.

6. TAG: RIO EMPERADOR, ELF CREEK

Heute steht Fischen am Rio Emperador auf dem Programm. Mit den Grashopper-Imitationen fange ich einige gute Forellen mit bis zu über einem Kilo. Ein schöner Vormittag mit Señor Luis. // Am Abend geht es dann mit Luis junior zum vielgepriesenen Elf Creek. Auf der Sage-Homepage findet sich dazu ein schönes Video. Die Anreise dauert über zwei Stunden und führt über “Pampa Roads” Der Rio de los Elfos mündet in den Z-Lake.

Zuerst angeln wir mit der Trockenfliege, und ich hake super schöne Bachforellen mit bis zu 60 cm Länge. // Das Fischen am Elf Creek ist ein einzigartiges Erlebnis. Bei Dämmerung marschieren wir los, vom Z-Lake zum Elf Creek. Die alten Wälder und die Landschaft sind faszinierend. Luis kennt am Elf Creek jeden Stein. Hand in Hand arbeiten wir uns den Bach hinauf und fischen die Hauptpools.

Im Dunkeln am Creek fischen wir mit kleinen Wooly Buggern und fangen einige super Forellen mit bis zu 65 cm Länge. Am Tag sind die Forellen in diesem kristallklaren Wasser so scheu, dass man maximal einen Fisch landen kann, dann sind sie alle weg. Ein außergewöhnliches Erlebnis.

7. UND 8. TAG: Z-LAKE, ELF CREEK

Z-Lake und Elf Creek haben mich in ihren Bann gezogen, und ich möchte zwei weitere Tage dort fischen. Den Lake vom Belly Boot aus zu befischen, ein tolles Erlebnis. Die Fische sind sehr stark, ich fange viele schöne Forellen.

9. TAG: TOKJI UND MANIHUELIES RIVER

Patagonien hat mehr und mehr starke Runs von King Salmons, sodass sich Chile zu einer Angeldestination für diesen Fisch entwickelt hat. Der Run spielt sich im Zeitraum von Ende Dezember bis Anfang Februar ab. Genau zu meiner Zeit, und ich wollte mir das natürlich nicht entgehen lassen. // Wir fischen einen Pool am Tokji River und fangen gleich einen Lachs mit circa acht Kilo. Nach einer halben Stunde erfolglosen Werfens, hat Luis die Idee, die halbe Stunde Autofahrt zum Manihuelies River zu wagen.

Er kennt dort einen super Pool – und er hat nicht übertrieben: Der Pool ist beeindruckend. Die Begeisterung steigt, als wie richtig große Kings im Pool rollen sehen. Zwei davon gehen mir an den Haken und einer davon mit über 20 Kilo. Schöner kann ein krönender Abschluss nicht sein!

RÉSUMÉ

Wer immer eine Reise in diese Weltgegend plant, dem kann ich die Salmo Lodge und speziell Luis Antunez als Guide allerwärmstens empfehlen. Diese Reise wird unvergessen bleiben.

PS: Der Schlussgag dieser Reise ist, dass mein Reisegepäck am Tag vor der Abreise zur Lodge gebracht wird – gerade rechtzeitig, um es wieder nach Hause zu schleppen.

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