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COSMOLEDO, SEYCHELLEN, MÄRZ 2014

Mehr als 1.000 Kilometer südwestlich der Hauptinsel Mahé und etwa 200 Kilometer nördlich von Madagaskar liegt das Cosmoledo Atoll. – Mitten im Indischen Ozean und sehr weit entfernt von jeder Landmasse! Untern den Salzwasserfischern war Cosmoledo früher als die weltweit beste Destination für das GT-Fischen bekannt. Vor fünf Jahren dann kam es zur Schließung des Atolls, weil es Probleme mit Piraten gab und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte.

2014 darf das Atoll erstmals wieder beangelt werden. Die Operation mit dem Expeditionsboot Maya Dugong ist militärisch geschützt, man kann sich sicher fühlen. Nach der Testtour im Februar wird von sensationellen Fangergebnissen berichtet. – Und so sind unsere Erwartungen hoch gesteckt, zumal die Reise aufwändig und teuer ist.

Mein Münchner Angelfreund Helmut Alleze ist in der allerersten Woche mit mir unterwegs, dazu noch die Besitzern der Operation, die Familie Collins, einige Südamerikanern und Engländer. Ich selbst werde zwei Wochen in Cosmoledo bleiben.

DIE GRUPPE

Wir sind eine richtig lässige Truppe! Alle aus der ersten und aus der zweiten Woche sind supernett, wir haben viel Spaß und verstehen uns blendend. Danke für diese unvergessliche, tolle Zeit mit Euch!

DIE ANREISE

Etihad bringt uns von München mit Stopover in Abu Dhabi nach Mahé, wo wir eine Nacht bleiben müssen. Wir vertreiben uns die Zeit mit einem Bummel zum Yachthafen und gutem Essen. Viel mehr gibt es dort nicht zu tun.

Ein kleiner, privater Charterflieger bringt uns von Mahé nach Assumption, wo uns das Expeditionsboot erwartet.

Die Maya Dugong ist erstaunlich gut ausgestattet, trotz ihres Alters. Alles, was man braucht ist da. Die Schlafkabinen haben Aircondition, Badezimmer und genug Platz für das Gepäck. Das Essen schmeckt, und die Fischerboote sind sehr gut.

An drei unberührten Atollen zu angeln ist einzigartig.

ASSUMPTION

In Assumption gibt es eine Landebahn, und es leben einige Arbeiter auf der Insel, die alles in Schuss halten.

Für mich ist Assumption sehr interessant in Bezug auf GT Fischerei. Am Ankunftstag bleiben am Nachmittag drei, vier Stunden Zeit bevor die Maya Dugong nach Cosmoledo ablegt. Zwischen erster und zweiter Woche bin ich in Assumption sieben, acht Stunden ganz allein beim Angeln. Das Ergebnis: 9 GTs!

Am ersten Tag sind wir kaum eine Minute am Strand, und schon drillen wir alle drei einen GT. In Assumption gibt es außerdem extrem viele Riesenschildkröten, wir haben sogar einen Schlupf erlebt. Einerseits wunderschön, andererseits auch grausam: Die neugeborenen Schildkröten krabbeln vom Nest die Sanddünen hinunter ins Wasser. Kaum sind sie ein paar Meter geschwommen, kommen die GTs von überall her und schlagen sich den Bauch voll. Kaum vorzustellen, wie überhaupt Schildkröten überleben.

Der richtige Zeitpunkt, um die Fliege ins Wasser zu werfen! Die GTs sind in dieser Phase extrem aggressiv und walzen alles nieder, was ihnen in die Quere kommt, besonders Schwarze Brushflies, die wie kleine Schildkröte aussehen.

COSMOLEDO

Cosmoledo ist etwa 14,5 km lang und etwa 11,5 km breit. Die Landfläche des Atolls beträgt nur 5,2 km², die Fläche der Lagune etwa 145 km². Es umfasst einen Ring aus 9 Hauptinselchen und einer innen liegenden Lagune.Das Meer um Cosmoledo ist besonders fischreich, wohingegen das Atoll selbst große Kolonien an Fregattvögeln, Schwalben und Tölpeln beheimatet. Das wunderschöne Atoll ist auch Nistplatz für Schildkröten.

Bilderbuch-Flats so weit das Auge reicht! Durch das Atoll gehen zwei Hauptkanäle, die von den GTs zum Jagen genutzt werden. So kann man GTs auf den Flats am Sandgrund teils in 100 Metern Entfernung sichten, dann abwarten und bei passender Wurfdistanz gezielt den Fisch anwerfen.

Auch wenn die Fliege 10, 15 Meter entfernt im Sichtfeld landet, schießt der GT mit Höchstgeschwindigkeit auf sie zu und will das Ding einfach fressen. Pure Aggression in dieser Geschwindigkeit – das ist Feuer fürs Adrenalin. Was danach kommt, ist ein harter Kampf, der Mann und Material auf die Probe stellt.

Außer GTs gibt es auf Cosmoledo eine gute Bonefish-Population. Die Durchschnittsgröße liegt bei fünf bis sechs Pfund, aber es gibt auch richtig große Bones. Und natürlich gibt es eine Vielzahl anderer Reef-Fische. Wir konzentrieren uns auf GT, nur zwischendurch bei Ebbe gehen wir auf Bonefish und Co.

ASTOVE

Liegt etwa 38 Kilometer südlich des Cosmoledo-Atolls, ist etwa 6 km lang, 4 km breit und hat eine Landfläche von knapp 5 km². Auf Astove trennt das gehobene Saumriff die Lagune mit ca. 9,5 km², fast vollständig vom Meer.

Zwei Tage können wir auf Astove bleiben weil das Wetter so gut ist, sonst wären wir nach einem Tag weiter gefahren. Astove ist ein kleines Atoll, nur ein Kanal führt in die innere Lagune. Das Fischen in diesem Kanal und einige Kilometer links und rechts davon – das ist für mich das Highlight dieser Reise, vor allem wegen der Größe der Fische. Es gibt extrem große GTs, zwei ganz Große (120 bis 130 cm) kann ich haken, aber leider nach einigen Minuten schneidet sie das Reef ab.

Man fischt dabei im Surf, die Reefkante ist manchmal nur 50 Meter entfernt. Dort geht es gleich richtig hinunter, auf 100 Meter und mehr. Die großen GTs kommen über die Kante und jagen auf den Flats vorwiegend Mullets. Hier einen großen GT zu stoppen und zu verhindern, dass er über die Kante geht – das ist die Herausforderung! Und die gelingt nicht immer…

Auf Astove gehe ich auch zweimal ein paar Stunden zum Poppern draußen vor der Kante. Was sich da abspielt ist unvorstellbar! Wir fangen uns buchstäblich dumm und dämlich. Manchmal haben wir 100 GTs rund um unser Boot. Die Herausforderung ist nicht so groß wenn man ambitioniert ist. GTs bis 120 cm Länge, viele Barracudas und einiges mehr fange ich bei diesen Trips.

Als Abwechslung wirklich schön, aber es kommt nicht an die Faszination des Fliegenfischen heran, die uns dann gleich wieder in den Bann zieht.

DAS ANGELN AUF DEN ATOLLEN

Ich kann wirklich sagen, dass ich schon auf vielen der besten Plätz dieser Erde gefischt habe. Cosmoledo übertrifft aber alles, es ist das absolut Beste, was ich bisher gemacht habe. Eine Steigerung kann ich mir nicht vorstellen. Nicht umsonst hat Jacques Cousteau hier seine Filme gedreht. Der Fischreichtum in diesem Naturjuwel sucht Seinesgleichen. In diesen zwei Wochen habe ich 90 GTs mit der Fliegenrute gefangen. Das Poppern ist uninteressant, es geht viel zu leicht und ist keine Herausforderung mehr.

Für mich steht jetzt schon der Entschluss fest: Nächstes Jahr werde ich zumindest einmal wieder hier sein um zu fischen!