EN
CUBA, CAYO SANTA MARIA, MAI 2013

Fragt man einen Salzwasser-Fliegenfischer nach seinem Lieblingsfisch, so bekommt man sehr oft dieselbe Antwort: der TARPON! Was macht den Tarpon so besonders? Zum Einen ist er ein wunderschöner Fisch – mit seinen riesigen, silbernen Schuppen, seinem massiven Körperbau und seinem nach oben stehenden Maul sieht er fast so aus, als wäre er gar kein Salzwasserfisch.

Zudem ist er ein eleganter und sehr schneller Schwimmer. Wer jemals einen Tarpon an der Fliege gehakt hat, vergisst die langen, rasant schnellen Fluchten und die meterhohen, akrobatischen Sprünge nie mehr. Die Bisse kommen oft ganz zart, oft aber auch brachial. Ein notwendiger starker Stripstrike endet oft mit Verbrennungen an den Fingern. // Ein guter Anschlag ist wichtig, denn das Maul eines Tarpons ist hart. Entscheidend für die Verwertungsquote ist auch das richtige Timing: Der Fisch braucht Zeit um abzudrehen; nur so kann der Haken im weicheren Mundwinkel eindringen.

Es ist der absolute Wahnsinn: Fische bis 40 Pfund bezeichnet man als „Babytarpon“. Ab 100 Pfund spricht man von einem „Giant Tarpon“ oder im Spanischen einem „sabalo gigante“! Die meisten Tarpons gibt es in der Karibik: in Florida, Kuba, Costa Rica, Belize, usw. Kapitale Tarpons findet man aber auch an der Westküste Afrikas z. B. in Angola.

ANREISE & ORGANISATION

Ich habe mich kurzfristig entschieden, eine Reise in die Karibik zu machen. Auf Kuba möchte ich meinen persönlichen super Tarpon fangen (insgeheim träume ich natürlich von einem kapitalen Tarpon). // Mein Flug geht von Innsbruck über Frankfurt mit Condor direkt nach Havanna und dauert knapp unter 10 Stunden. // Am Flughafen in Havanna angekommen, werde ich von einer Reiseleiterin empfangen und in die VIP-Lounge gebracht. Dort treffe ich Rodolfo von Casa Batida (Angelboote, Guiding usw. in Kuba). Ich habe bei der Buchung vereinbart, dass ich eine Nacht in Havanna bleibe und ganz früh morgens mit einem 50-Minuten-Flug weiter fliege nach Cayo Santa Maria.

Dort sollte ich dann ab 9 Uhr bereits den ersten Tag angeln. Am Flughafen sagt mir aber Rodolfo, dass es Probleme mit der Verfügbarkeit der Guides am Samstag gibt und ich leider erst am Sonntag mit dem Fischen beginnen kann. Ich bin stinksauer und enttäuscht. Telefonieren und Mailen mit dem Reiseorganisator “ Where wise men fish” nützt auch nichts. Dort verweist man die Schuld auf die Leute vor Ort. Später komme ich drauf, dass die Guides am Samstag alle draußen waren. Meine Buchung am Samstag haben die Kubaner an zwei Engländer verkauft, die von der Vorwoche verlängert haben.

Aber: Davon lasse ich mir mein Kuba-Erlebnis nicht verderben. Es ist schon Mitternacht, als ich in ein Hotel in Havanna gebracht werde – gesehen habe ich also nicht mehr viel. Ich bin hundemüde und falle ins Bett. // Am nächsten Tag kann ich auf dem Weg vom Hotel zum Flughafen noch ein paar Fotos vom Auto aus machen. – Es ist genauso, wie man sich Kuba vorstellt: einige Jahrzehnte zurückversetzt.

Wenige Länder rufen so viele Bilder im Kopf hervor, wie Kuba. Auf Grund seiner Lage und der besonderen politischen Situation ist Havanna nicht im Einheitsbrei vieler anderer großer Städte untergegangen. // Das Stadtbild ist faszinierend schön, gleichzeitig wundert man sich, wie es hier ein geregeltes Leben geben kann. Vieles ist kaputt, zerbrochen, zusammengefallen. Anderes wieder bunt, leuchtend, schön.

Ein Aficionado wie ich, nimmt das alles wahr, aber im Herzen will ich nur ans Wasser und endlich sehen, wo die Tarpons auf uns warten … (Bild: http://www.millionenstaedte.de/wp-content/uploads/2011/06/havanna-c-baltrusch.jpg)

DER 1. ANGELTAG - OHNE ANGELN

So muss ich also den Samstag ohne Angeln im Hotelressort verbringen – und das hat auch wieder eine gute Seite: Ich lerne ein Berliner Ehepaar kennen, das zum Tarpon-Fischen hier ist und freunde mich mit Petra und Volker Ney an. Die beiden sind sehr sympathisch, und wir verbringen die Zeit vor und nach dem Angeln in einer lustigen Runde.

DIE ANGELWOCHE BEGINNT

Insgesamt sind in diese Woche sechs Angler in Cayo Santa Maria: Petra, Volker, ich und drei russische Angler. // Wir fahren jeden Tag um 7 Uhr in etwa 15 Minuten vom Hotel zur Marina. Dort treffen wir die Guides, die das Boot bereits startbereit haben. Mein Guide heißt Manuel, er ist etwas älter und spricht kein Wort Englisch. Ich packe meine Italienisch- und Spanischkenntnisse aus, mixe sie kräftig, und es geht irgendwie!

Laut unseren Guides hat es wenig Sinn, in den Flats zu Fischen, weil derzeit dort kaum Fische sind. Die Fische sind im tieferen Wasser draußen in den Kanälen. Das bedeutet, dass wir nicht auf Sicht fischen, sondern auf Verdacht im 3-10 Meter tiefen Wasser.

Das bevorzugte Gerät dafür ist eine Helios 2 in der Schnurklasse 12 mit einer Lamson Vanquish mit Sinkschnur. Den ganzen Tag Longcasts mit einer 12er zu werfen ist eine echte Herausforderung für das Handgelenk und die Schulter. // Zeitweise, wenn wir an drei bis vier Meter tiefen Stellen fischen und die Fische springen und rollen, steige ich auf die 10er-Loop mit Intermediate um. Dann kommt es mir kurz vor als habe ich nichts mehr in der Hand, so leicht fühlt sich plötzlich die 10er an.

Als wir am ersten Morgen hinausfahren, sehen wir schon Tarpons springen. Das gibt mir einen Motivationskick! Leider herrschen ziemlicher Wind und Wellengang. Doch das Glück ist auf meiner Seite: Nach 20 Minuten habe ich den ersten Biss und hake auch gleich erfolgreich meinen ersten Tarpon mit 50-60 Pfund! Jetzt weiß ich auch, was es heißt, einen Tarpon zu drillen.

Die ersten 10 -15 Minuten sind dabei entscheidend. Da springt der Tarpon teilweise bis zu zwei Metern aus dem Wasser – und das oft mehrmals hintereinander! Mein Drill dauert 30 Minuten. Leider gibt es kein Foto, weil der Guide den Fisch bei der Handlandung beim Herausheben loslässt und sich dabei der Haken löst. Egal, denke ich mir, der Fisch zählt; ich habe zwar kein Foto, aber dafür den Film, und ich werde noch mehr fangen …

Die ersten zwei Tage fange ich dann noch zwei Tarpons mit bis 35 Pfund und verliere weitere drei Fische. Mit dem Ergebnis kann ich total zufrieden sein. Volker und Petra geht es anfangs nicht so gut. Sie haben am zweiten Tag zwar drei Bisse, können aber keinen Fisch landen. Vadill und seine zwei Bekannten, unsere russischen Angelkollegen, haben keinen Biss.

MEINE FLAUTE - PETRAS UND VOLKERS STUNDE!

Voller Selbstbewußtsein und Optimismus freue ich mich auf die nächsten Angeltage. Doch beim Angeln geht es manchmal zu wie in der Achterbahn: Es kommen geschlagene drei Tage ohne Tarpon! Ich habe einen richtigen Querlauf, es will und will nicht sein. // Zwei Tage habe ich nur Schnapper und einen Ladyfisch, aber keinen einzigen Tarponbiss. Einer der Russen fängt einen 100 Pfund plus-Tarpon, die anderen beiden gehen leer aus.

Petra und Volker sind die Stars dieser Tage. Volker hat jeden Tag mehrere Bisse und bringt auch vier Tarpons ins Boot. Petra fängt an diesem Tag auch ihren ersten Tarpon und kann zurecht stolz sein. // Am vierten Angeltag in der letzten Angelstunde fische ich neben Petra und Volker und sehe, wie Volker einen kapitalen Tarpon drillt. Nach einer halben Stunde Drill fahre ich zu ihnen, um zu filmen.

Es dauert und dauert, im Ganzen eine Stunde und 5 Minuten (!) Drill bis Volker total erschöpft seinen 100 Pfund plus-Tarpon Gigante im Boot hat, ich filme mit. An diesem Abend strahlen Volker und Petra so richtig und sind zurecht stolz.

6. ANGELTAG: HELMUT'S DAY!

Am Morgen fange ich einen Schnapper, einen Ladyfisch und einen Tarpon mit 40 Pfund mit der Fliege, die mir Tags zuvor Volker geschenkt hat. // Wir wechseln zum Kanal vor der Brücke und fischen in etwa sieben bis acht Meter Tiefe. Das Wasser ist sehr klar, und wir sehen einige große Tarpons rollen, darunter zwei echte Riesen, die unter dem Boot vorbeiziehen. Die Motivation ist hoch und die Stimmung vielversprechend.

Zuerst sind wir noch wegen des Windes verankert, als er nachlässt, löst Manuel den Anker. Ich sehe ein paar Fische im tieferen Wasser blitzen und jagen, werfe dorthin, lasse die Fliege absinken und beginne zu strippen. Kurz vor dem Boot sehe ich dann wieder mehrere Fische um meine Fliege herum. Es erfolgt ein harter Biss. Ich weiß aber sofort, dass es keine Tarpons sind, weil ich die Fische gesehen habe. Ich fange dann einen super Jack Crevalle auf Volkers Fliege. Sie hat sich als Glücksbringer bewährt, jetzt ist sie aber endgültig erledigt, und ich muss gezwungener Maßen auf eine Bunny Black purple wechseln.

Wieder ziehen Tarpons unter dem Boot durch. Es ist der erste Tag mit klarem Wasser, gleichzeitig Vollmondtag. Drei, vier Würfe nach dem Jack Crevalle habe ich dann einen brutalen Biss. Ich kann einen harten Schnur-Anschlag setzen und verbrenne mir dabei die Finger durch den Fingerschutz hindurch.

Einige Sekunden danach kommt der Tarpon hoch, Manuel ruft: „Tarpon gigante!“. Mir bleibt das Herz fast stehen, als ich den Fisch in voller Größe nur ein paar Meter vom Boot entfernt aus dem Wasser springen sehe. Zuerst bin ich nervös und habe Angst den Fisch zu verlieren, weil ich ihn unbedingt landen will.

Petra und Volker sind in der Nähe, sehen zu und wissen sicher auch schon, dass ich einen Riesen dran habe. Der Fisch springt sieben, acht Mal, dann wird er ruhiger und ich hoffnungsvoller und sicherer. Ich drille 55 Minuten mit meiner 12er und kann dann meinen ersten Tarpon Gigante landen!

ALLE BILDER DIESER REISE