EN
ESQUINA, CORRIENTES, ARGENTINIEN, FEBER 2013

Die vergangene Woche am Rio Grande war wieder unglaublich schön; das Angeln dort ist einfach außergewöhnlich. Zudem blieb mir das Wetterglück treu – wie auf allen meinen Reisen. Man kann sich daran gewöhnen, klare Flüsse und optimalen Wasserstand vorzufinden …

Eigentlich ist es ein Risiko, nach einer so erfolgreichen Woche den Angelplatz zu wechseln und auf eine ganz andere angesagte Fischart, nämlich Golden Dorado, zu angeln. Schade, dass mein Freund Georg nicht mitkommen kann. Kurzfristig hat noch versucht, einen Flug zu bekommen, aber das hat nicht mehr geklappt. Sein Entschluss kam einfach zu spät.

Argentinien ist ein beeindruckendes Land was Ausdehnung und Landschaft angeht. Am Rio Grande habe ich eine kalte Woche erlebt, Winterkleidung getragen und gefroren. Jetzt fliege ich in den Norden Argentiniens, in die Provinz Esquina/Corrientes und werde dort bis zu 35°C und subtropisches Klima vorfinden. Dementsprechend viel Gepäck habe ich dieses Mal dabei. Georg hat einen Teil davon mit nach Hause genommen, das macht die Reise für mich angenehmer.

ANREISE & ANKUNFT

Am Flughafen in Rio Grande gibt es Probleme. Aus unerklärlichen Gründen kann mein Gepäck nicht nach Residencia durchgecheckt werden – und das bei nur einer Stunde Transitzeit in Buenos Aires. Alles Diskutieren hilft mir nichts; ich bin verärgert, weil ich schon ahne, dass sich das zeitlich nicht ausgehen wird.

Und so kommt es auch. In Buenos Aires warte ich eine geschlagene Stunde am Gepäckband. Der Anschlussflug ist natürlich weg. Meine Hoffnung, dass der Flug nach Residencia Verspätung hat, wie so viele Flüge in Argentinien, erfüllt sich leider nicht. // Nach langem Hin und Her miete ich für die zehn Stunden Fahrt nach Norden für stolze 400 USD ein Taxi, anstatt auf einen Flug am nächsten Tag zu warten. Um Mitternacht komme ich in Esquina an; Augusto, der Besitzer der Estancia La Pelada holt mich ab, und wir fahren eine weitere halbe Stunde zur Lodge. Es ist Mitternacht und noch immer sehr warm und feucht, und dementsprechend aktiv sind die Insekten, zwar weniger die Moskitos aber dafür sonst alles, was kreucht und fleucht.

Wir besprechen noch, wie mein erster Angeltag beginnt, dann will ich nach der strapaziösen Anreise nur noch ins Bett. Ich bin total erledigt.

Die Lodge ist sehr geschmackvoll im Kolonialstil eingerichtet und liegt idyllisch direkt am Rio Corrientes. Das Essen ist ausgezeichnet; Augusto ist ein sehr sympathischer, interessanter Typ und erfüllt seinen Gästen jeden Wunsch. Wir sind immer gemeinsam bei Tisch, und so erfahre ich viel über Argentinien und unterhalte mich blendend. Wer am Corrientes oder Paraná auf Dorados angeln will, ist in der Estancia La Pelada mit ihren 5.000 Hektar Land und über 5.000 Rindern bestens untergebracht.

3.02.2013

Beim Frühstück um 7 Uhr lerne ich Guide Nacho kennen. Er kann kaum Englisch, aber ich dafür ein wenig Italienisch, so kommen wir ganz gut zurecht. Unser Boot ist perfekt ausgestattet und liegt am Bootsanlegeplatz direkt unterhalb der Lodge. 115 PS Motor, ausreichend Platz und ein Elektromotor mit Fernbedienung um das Boot beim Driften in Spur zu halten. Sehr professionell. Nacho kontrolliert meine Ausrüstung und meine selbst gebundenen Riesenmücken. Er erklärt mir die Fischerei, wir bauen eine Rute auf und dann geht es schon los.

Mein Plan ist, die ersten zwei, drei Tage den Corrientes zu befischen und dann das Delta und den Rio Paraná.
Der Paraná und auch das Delta sind momentan nicht unbedingt fischbar: Die Wasserfarbe ist ein helles Schokoladebraun und stark segmentiert. Das klingt nicht optimal. Bei meinen Reisevorbereitungen habe ich gelesen, dass der Paraná für besonders große Dorados bekannt ist, und deshalb möchte ich eigentlich lieber dorthin.

Am Corrientes ist das Wasser auch nicht gerade sichtig, aber es stellt sich heraus, dass es für diese Zeit im Jahr immer noch sehr in Ordnung ist. Die Sichtweite beträgt 50 cm, nicht viel mehr. Die Wasserfarbe ist hellbraun aber nicht unbedingt segmentiert. Wir fahren circa zwei Kilometer stromauf und stoppen.

Die Angeltaktik bleibt mehr oder weniger immer dieselbe. Wir fischen meist vom Boot aus. Nacho hält das Boot in circa 15-20 Meter Entfernung parallel zum Ufer, und wir driften mit der Strömung. Ich werfe immer knapp ans steil abfallende Ufer; optimal sind 10 cm. Wir suchen Stellen, wo das Wasser Bewegung und Strömung hat. Dorados lieben die Strömung und stehen gerne dort, wo viele Hindernisse im bewegten Wasser sind.

Der Anbiss erfolgt zu 90 % in Sekundenbruchteilen nach dem Aufklatschen der Fliegen. Ich fische teils mit 20 cm-Fliegen, die machen schon richtig Lärm. Die Dorados stehen unten an der Abruchkante, der Klatsch löst die Attacke aus. Man muss also sofort für einen Schnurstrip, am besten zwei, drei Mal, bereit sein. Alles geht wirklich extrem schnell. // Das Beeindruckendste beim Angeln von Dorados ist sicher der Anbiss. Die Attacke und der Biss erfolgen schnell und brutal. Mindestens jeden zweiten Fisch verliert man in den ersten Sekunden. Das Maul einer Dorado ist knochenhart. Ich habe Fliegen mit Tiemco 600SP und Owner AKI Salzwasserhaken in den Größen 2/0 bis 5/0

Ein guter Start: schon nach dem fünften Wurf die erste Attacke! Ich habe den Biss mehr oder weniger verschlafen, eben weil er so schnell nach dem Aufklatsch der Fliege kam und ich nicht darauf vorbereitet war, einen harten Hook Strip zu setzen. Fünf Minuten später werfe ich in eine ruhige Flußeinbuchtung, mein Guide lacht. Wo das Wasser steht und kaum Strömung ist, stehen die Piranhas. Ja, und so starte ich mit einer Piranha, die meine Fliege komplett zerstört. Sehr interessant: Die messerscharfen Zähne der Piranhas sieht man zuerst gar nicht; sie sind versteckt.

Dann endlich meine erste Dorado. Wurf, Aufklatsch und Attacke! Beim ersten Strip Strike zieht der Fisch die Schnur mit Brachialgewalt durch meine Finger – eine Verbrennung ist mein Lehrgeld. Was lerne ich daraus? Aufpassen oder Fingerstrips tragen. // An dem Tag fange ich noch weitere sechs Golden Dorados, allerdings nur bis 2,5 Kilo, also eher Doradillos. Die abendliche Nachhausefahrt führt unser Boot bei Sonnenuntergang durch Hunderte von Vögeln. Alle nur erdenklichen Zugvögel machen in großen Schwärmen Rast in dieser Gegend. Ein atemberaubendes Schauspiel der Natur.

4.02.2013

Nach dem Frühstück um 06:00 starten wir stromaufwärts. Kein guter Tag: Ich habe viele Bisse, kann sie aber nicht verwerten. Aber damit wird man sich wohl beim Dorado-Angeln abfinden müssen. Fünf Dorados und ein paar Piranhas, das ist alles. Zudem ist es extrem heiß und fast windstill. Abends habe ich einen leichten Sonnenbrand.

5.02.2013

Mein Plan, am Paraná oder im Delta zu fischen, hat wenig Sinn. Der Guide steht laufend in Kontakt mit seinen Kollegen in Esquino, die die Fangaussichten als sehr gering einschätzen. Besser, wir bleiben am Corrientes. Das Wasser am Paraná ist noch schlechter geworden, er ist nicht wirklich fischbar. Eine Enttäuschung, ich hätte das zu gern erlebt. – Jetzt hat es mich also auch einmal erwischt mit suboptimalen Wasserbedingungen.

Am Morgen fahren wir stromab und biegen in einen Seitenarm. Mitten im Fluss ragt ein Baumstrunk aus dem Wasser: Das ist ein top Platz. Nacho lenkt das Boot in Wurfposition; mir gelingt ein super Wurf an die optimale Stelle, und sofort habe ich eine gewaltige Attacke. // Ich kann den Haken setzen, und die Dorado springt aus dem Wasser. Adrenalin pur! Es ist ein super Fisch mit an die zehn Kilo, was ich beim Drillen und an der Kraft des Fisches zu spüren bekomme. Ich fluche, als der Fisch nach mehreren Sprüngen vom Haken geht. Kurz bin ich enttäuscht, weil ich diese Chance nicht verwerten konnte; aber es liegt in meiner Natur, dass ich nicht aufgebe und gleich wieder Feuer fange. Ich bin top motiviert, es gleich noch einmal zu versuchen.

Am Vormittag fange ich noch fünf Golden Dorados, abends noch eine. Die Fische haben zwischen eineinhalb und fünf Kilo. Wir fahren zurück, ich erlebe einen weiteren atemberaubenden Sonnenuntergang.

6.02.2013

Als der Tag beginnt, habe ich schon ein gutes Gefühl. Nacho scherzt und meint, heute fangen wir eine 20 Kilo-Dorado. Wir fahren stromab und beginnen an einer Stelle, die wir schon vorher einmal befischt haben.

In den ersten 30 Minuten habe ich sechs Attacken. Es geht also Schlag auf Schlag – aber ich kann nur zwei Kleine landen. Ein außergewöhnlicher Start in den Tag. Dann ist es plötzlich aus, wir haben auf den nächsten Stellen keine Bisse. Zwei kleine Doradillos, das ist alles am Vormittag. // Am Nachmittag fahren wir weiter stromabwärts, an eine Stelle, die vielversprechend aussieht. Plötzlich habe ich einen gewaltigen Strike. Und wieder zieht der Fisch so stark ab, dass ich mir leicht die Finger verbrenne. Ich spürte kurz die Kraft, bekomme mächtig Druck auf die Rute – und dann ist der Fisch weg!

100 Meter unterhalb dieser Stelle wieder dasselbe Spiel. Diesmal allerdings hängt die Dorado fest am Haken und springt mehrfach aus dem Wasser. Ein gewaltiger Fisch, mit vielleicht 15 Kilo, wie Nacho meint. Nach drei, vier Minuten Drill bin ich zuversichtlich den Fisch zu landen, er scheint gut gehakt zu sein und wird langsam müde. Einmal hänge ich fast im Bootsmotor, dann steige ich aus und gehe an Land. Den Fisch lande ich dann selbst mit der Hand! Super, ich habe endlich einen echten Goldbarren! Über 90 cm ist er lang und circa 12 Kilo schwer.

7.02.2013

Besuch in der Lodge: Oskar Dono, gemeinsam mit Justi Besitzer des Angelreisen-Veranstalters FLY FISHING PATAGONIA. Ich habe diese Reise und mehrere davor über diese Agentur gebucht. Oskar lebt in Buenos Aires und Bariloche. Er kümmert sich um die Angeloperationen in Argentinien und organisiert Jagdreisen nach Esquina. Justi ist Amerikaner und bringt amerikanische Angler nach Patagonien.

Wir fischen zusammen und haben viel Spaß. Seit Justi an Bord ist, geht nicht mehr viel. Am Vormittag fangen wir zu zweit nur drei Dorados. Vielleicht quasseln wir zu viel oder das Boot wackelt zu sehr, und wir verscheuchen die Fische vor lauter Lachen. // Bisher habe ich keinen Kayman am Fluss gesehen, obwohl es viele geben muss. In den Seitenarmen des Flusses und in den Lagunen sollen sie zu finden sein. Augustin schlägt vor, in der Mittagspause eine kleine Safari zu machen. Beindruckend! Kaymane, Capiwaras, Antilopen, Emus und sehr viele Vögel, auch Colibris, kommen mir vor die Linse. Eine glänzende Idee, vor allem in Begleitung von Augustin.

Abends fahre ich mit Nacho stromab und fange noch zwei Dorados. Dann fahren wir etwa zwei Stunden bis zum Delta und an den Paraná. Das Delta ist 200 Kilometer lang und 40 Kilometer breit. Dort ist das Fischaufkommen enorm: Dorados, Sabalos, Palometas, Piranhas, Surubi (eine Welsart) und Pacu, um die wichtigsten zu nennen, leben dort.

Ich kann in den Seitenarmen fischen, weil dort die Wasserqualität noch akzeptabel ist. Piranhas und Palometas montieren mir allerdings die Fliegen nach der Reihe ab. Dort, wo der Corrientes und der Paraná zusammenfließen, sehe ich mit eigenen Augen, dass der Paraná zurzeit nicht befischbar. Er kommt von Brasilien und ist circa 2.000 Kilometer lang. Beeindruckend breit und riesig.
Ich verabschiede mich von Guide Nacho, der seine Sache wirklich gut gemacht hat. Wir haben viel gelacht. Er bleibt mit dem Boot in Esquina.

8.02.2013

Mein letzer Angeltag, heute mit Oskar Dono. Am Nachmittag geht mein Rückflug; ich habe morgens nur noch ein paar Stunden. Das neue Boot ist auch nicht optimal, denn es hat keinen Elektromotor. Augustin bringt das neue Boot zum Wasser und verabschiedet uns mit „Buena Suerte!“

Oskar kennt den Fluss gut. Wir fahren stromauf und fischen zuerst eine bekannte Stelle. Dort habe ich auch gleich einen Biss, denn ich aber nicht verwerten kann. Dann geht‘s zu einer Stelle, wo wir an Land gehen. Oskar zeigt mir ein paar Stellen, die gut vom Ufer aus anzuwerfen sind. Sieht super aus, und wir verstehen nicht, warum wir keinen Biss haben.

Dann gibt es noch eine Wurfmöglichkeit, in Richtung zu einem versunkenen Baum. Kommt mir irgendwie bekannt vor, ich erinnere mich an die Dorado die ich verlor. Die Stelle sieht verdammt ähnlich aus. // Erster Wurf, super gelungen, ein Meter Drift und Bingo! Ich habe wieder einen super Goldbarren am Haken. Gleich springt die Dorado, und wir sehen, dass es ein toller Fisch ist. Nach sechs, sieben Minuten lande ich mit Hilfe von Oskar eine Dorado mit circa neun Kilo und 85 cm Länge.

So ein Glück – und das am letzten Tag! Es ist elf Uhr, und ich entschließe mich, Schluss zu machen. Diesen Fisch werde ich heute nicht mehr toppen. Ich will in Ruhe packen und mich auf die Rückreise vorbereiten. Eine tolle Woche hier auf der La Pelada Lodge geht zu Ende.

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