EN
GREAT BARRIER REEF: MARLIN-FISCHEN, OKTOBER/NOVEMBER 2013

Schon als Bub war eine Reise nach Australien für mich ein Wunschtraum, und besonders das Barrier Reef hatte immer schon eine magische Anziehungskraft auf mich.

Es gibt kaum europäische Reiseveranstalter, die Angelreisen nach Australien buchen. Die Nachfrage wird wegen der strapaziösen Anreise nicht besonders groß sein.

Bei meinen Recherchen stoße ich auf Nomad Sportfishing (nomadsportfishing.com.au), den bekanntesten australischen Veranstalter für Angelreisen. In erster Linie sind sie auf konventionelles Angeln spezialisiert, aber ein bis zwei Trips im Jahr sind für Fliegenfischer konzipiert.

Im Netz habe ich dann die Webseite von Stefan Kreupl gefunden, die spezialisiert ist auf Bluewater-Angeln Stefan hat mir dann auch bestätigt, dass das Boot Tradition mit Captain Tim Richardson (www.traditioncharters.com) eine top Wahl für Offshore-Fischen am Barrier Reef ist.

Im Sommer 2013 buche ich fünf Tage die Tradition um vor Cairns am Barrier Reef / Ribbon Reef auf Black Marlin zu fischen.

Das ist für mich ein neues Erlebnis, denn ich habe nie länger als einen Tagesausflug auf einem Offshore-Angelboot verbracht.

Danach soll es dann mit Nomad Sportfishing acht Tage weitergehen, um mit der Fliege auf einem Nomad Expeditionsboot den Reef- und Predator-Fischen des Barrier Reefs von Claremont Island bis Horn Island nachzustellen.

Die Anreise nach Australien ist natürlich sehr zeitraubend. Ich fliege am 26.10.2013 von München nach Singapur und weiter nach Brisbane. Nach einer Zwischenübernachtung fliege ich nach Cairns. Von Cairns muss ich mit einer Cessna weiter nördlich nach Cooktown fliegen, wo ich noch einmal übernachte. Am 29.10. erwartet mich schließlich am Hafen von Cooktown Captain Tim Richardson mit seiner Mannschaft Justin und Eric und seinem Boot Tradition.

DAS BOOT: DIE TRADITION

Man sieht auf den ersten Blick, dass die Tradition ein super ausgestattetes Boot ist. Alles ist auf dem neuesten Stand. Man merkt, dass Tim selbst beruflich Offshore-Fischerboote ausstattet. Ich habe für mich allein eine Doppelbettkabine mit Aircondition, und es gibt sogar ausgezeichnetes WLAN auf offener See über eine Satellitenanlage.

29.10.2013: SUPER LAUF AM ERSTEN ANGELTAG

Von Cooktown fahren wir ca. 25 Kilometer zum Inner Barrier Reef. Mit leichtem Schleppgerät fangen wir Baitfische: Spanish Makerel und Ladyfish. Letzterer ist einer der bester Köder für Marlin. Bald ist klar, dass Baitfischen richtig Stress sein kann, denn die Rollen gehen nach der Reihe ab, wir haben öfters 2 oder 3 Bisse zugleich.

Sobald die Baitfische abgehakt sind, werden sie als Schleppköder präpariert und in die Kühltruhe gegeben. Der junge Justin macht das sehr genau. Nachdem ich ihm ein paar Mal zugeschaut habe, habe ich immer noch Mühe mir die Arbeitsabläufe zu merken. Etwa zehn Minuten dauert bei ihm die Aufbereitung eines einzelnen Baitfish-Schleppköders.

Dann soll es losgehen, die Ruten werden ausgelegt. Nach zehn Minuten mit Baitfisch am System, (Skipper) fange ich schon meinen ersten Marlin, einen recht kleinen. Tim kommt er geradezu unüblich klein vor, für mich ist es ein super Fisch. Mein erster Marlin, und das nach 10 Minuten!

Die Wunde am Fisch kommt vom Markieren. Der Fisch wird noch im Wasser markiert indem ihm ein Markierungs-Tag mit Registriernummer eingestochen wird. Sieht schlimmer aus als es ist, denn die Markierungstags gehen nicht tief in ins Fleisch.

Abends knapp vor 18 Uhr fange ich dann am Outer Ribbon Reef einen 400 Pfund-Marlin. Ein tolles Erlebnis! Erstmals spüre ich Kraft und Maße eines so kampfstarken und schweren Fisches.

Die Abende sind abenteuerlich und romantisch. Es ist dann oft windstill, und wir ankern kurz vor dem Inner Reef im Wellenschatten mit anderen Booten zusammen. Manchmal habe ich auch super Fischfangmöglichkeiten vor dem geankerten Boot. Sobald das Ankerlicht ins Wasser leuchtet kommen die Baitfische und bilden einen Baitfisch-Ball, woraufhin gleich die Räuber auftauchen – zu meiner großen Freude.

SCHNORCHELN UND HARPUNIEREN

Die Unterwasserwelt am Barrier Reef ist natürlich faszinierend, die Korallenwelt ist noch intakt. Ich bin ja auch Taucher, und so kann ich mir das nicht entgehen lassen. Wir haben zwar keine Tauchausrüstung dabei, aber schon allein das Schnorcheln ist faszinierend. Das Reef ist super schön, und im Unterschied mit anderen Tauchgebieten schwimmen hier überall Großfische. Ein besonderes Erlebnis ist es, mit Justin zu schnorcheln und unser Abendessen zu harpunieren. Wir holen uns das Beste vom Besten: Coral Trouts. Schmecken göttlich!

Die Jagd auf die Coral Trouts ist spannend. Sobald man einen Fisch harpuniert hat, muss man ihn so schnell wie möglich an die Oberfläche und über Wasser zum Boot bringen. Die Haie wittern sofort das Blut und sind schnell zur Stelle. Meist kostet das Landen der harpunierten Fische viel Kraft, denn die Fische schwimmen fast immer noch ins nächst gelegene Loch in einem Korallenstock. Das Ausfädeln und aus dem Loch holen ist wirklich nicht meine Sache. Ich überlasse es meist Justin, der Luft ohne Ende hat.

Sind zu viele Haie da, müssen wir dieses Unterfangen abbrechen.

30.10. bis 2.11.2013 VIER ANGELTAGE AM REEF

Das Marlinfischen ist genial. Ich lande sechs Black Marlins in fünf Tagen, und bin keinen Tag ohne Fisch. Jeden Tag gehe ich zum Schnorcheln und Harpunieren.

Am 1. November wieder kurz vor 18 Uhr schlägt meine Sternstunde. Ich fange einen Black Marlin mit 900 Pfund! Der Drill ist nicht lang aber abenteuerlich. Die Guides nehmen, sobald das 300 Pfund Vorfach in die Nähe des Ruten-Spitzenrings kommt, das Vorfach in die Hand und versuchen, den Fisch mit den Händen zum Boot zu bringen. Dabei kommt er hoch und springt oft mehrmals aus dem Wasser. Das Wasser kocht ums Boot herum. Der Adrenalinspiegel steigt, es ist ein Wahnsinnserlebnis. Das Ziel der Mannschaft ist es, den Fisch zu markieren, dann das Vorfach so kurz wie möglich abzuschneiden und den Fisch schadlos frei zu lassen. So wird der Fisch nicht zu müde und hat noch genug Kraft abzutauchen. Der Fisch zählt als gefangen sobald der Guide das Vorfach in die Hand nimmt.

Es gibt super Filme von meinen Marlins. Auf der Tradition ist alles professionell organisiert! Sobald ein Fisch gehakt wird, werden über die Remote Control drei GoPro-Kameras eingeschaltet. Diese sind an drei verschiedenen Postionen am Boot montiert und filmen den Drill aus drei unterschiedlichen Perspektiven.

LETZTER TAG AUF DER TRADITION: DAS GLÜCK REISST NICHT AB!

Am späteren Nachmittag fange ich noch einen 100 Pfund-Marlin und dann noch einen mit 950 Pfund. Ich bin überglücklich und zufrieden. Diese fünf Tage haben sich wirklich bezahlt gemacht.

Gleich anschließend fahren wir noch zwei Stunden mit vollem Speed zurück ans Land nach Port Douglas. Ich werde am Hafen von einem Taxi abgeholt und nach Cairns gebracht, das eine Autostunde entfernt ist. Dort übernachte ich eine Nacht im Shangri La Hotel, um am nächsten Tag meine Weiterreise nach Musgrave anzutreten, wo ich von der Nomad Sportfishing empfangen werde. Mir steht noch acht Tage Fliegenfischen am Barrier Reef bevor, und ich freue mich schon riesig darauf.

ALLE BILDER DIESER REISE