EN
RIO GRANDE, ARGENTINIEN, FEBER 2012

Im Herbst 2011 entschloss ich mich kurzfristig im Feber 2012 meine nächste Angelreise nach Argentinien zu buchen. Keiner meiner Angelfreunde war so kurzentschlossen, ich blieb allein. Für Südamerika ist eine Woche fast zu kurz. Deshalb plante ich, zuerst einige Tage in den kristallklaren Flüssen und Seen Patagoniens Forellen zu befischen und anschließend zum Rio Grande nach Tierra del Fuego zu fliegen. Zum Glück schnappte ich noch einen Restplatz in einer der Prime Weeks.

Mein Flug ging am 13.2.2012 von Innsbruck über Frankfurt nach Buenos Aires und nach einer Übernachtung weiter auf einem Inlandsflug nach Bariloche.

BARILOCHE

Bariloche liegt wunderbar eingebettet in einem südlichen Andental und ist umgeben von vielen Gewässern. Es gibt dort Skigebiete, man kann Bergsteigen, Wandern, Schwimmen und eben Fliegenfischen, und es gilt als beliebte Feriendestination. Interessantes Detail: Der Name Bariloche kommt vom Mapuche-Wort Vuriloche und bedeutet “Menschen, hinter dem Berg”.

Vom Flughafen wurde ich abgeholt und in eineinhalb Stunden Autofahrt zur Rio Manso Lodge gebracht. Die Lodge liegt mitten im Nahuel Huapi National Park, hundert Meter über dem Fluss. Die Aussicht auf den Hess Lake ist atemberaubend, die Landschaft und die Natürlichkeit der Flussläufe und Ufer einzigartig.

Am ersten Abend fischt ich am Rio Manso. Wir floteten mit dem Schlauchboot circa 3 Kilometer den faszinierend schönen Fluss. Die Bedingungen waren jedoch nicht optimal. Nach einer Hitzewelle war die Wassertemperatur auf 23°C angestiegen; die Forellen waren dementsprechend inaktiv. // Die folgenden drei Tage fischte ich im tieferen Wasser, wo die Wassertemperatur etwas kühler war, den Hess Lake, den Lago los Moscos und den Fonk Lake. Die Seen liegen eingebettet zwischen Bergen, Wald und unberührter Natur. Ich fing zahlreiche Bachforellen, Rainbows und auch Brook Trouts bis 60 cm Länge. Das Fischen vor einer solchen Kulisse machte wirklich Spaß; die Organisation, die Unterkunft und das Guiding waren first class.

Bei starkem, patagonischem Wind ging mir ein besonderer Fisch an die Angel: Mein sympathischer Guide Martin von Flyfishing Patagonia bekam von mir ein Ohr-Piercing mit einer Fat Albert! Er nahm es eher gelassen und nach geglückter Operation war alles verziehen. Das Wetter spielte nicht wirklich mit: Die letzten beiden Tage regnete es ununterbrochen in Strömen.

RIO GRANDE

Fliegenfischer-Freaks aus der ganzen Welt wissen es: Der Rio Grande ist die beste Destination für Meerforellen. Man kann dort Sea Run Browns bis zu 16 kg Gewicht fangen. Das gibt es sonst nirgends.

Von Bariloche aus flog ich mit Zwischenstop in El Calafate nach Ushuaia, Hauptstadt der Provinz Feuerland und die südlichste Stadt Argentiniens. Deshalb wird Ushuaia auch „Das Ende der Welt“ genannt. Von El Calafate gab es keine Verbindung nach Rio Grande – was viel einfacher gewesen wäre. Von Ushuaia zur Maria Behety Lodge am Rio Grande waren es noch einmal drei Stunden Autofahrt.

DIE MARIA BEHETY LODGE

Die Lodge selbst, die Zimmer, das Essen und der Service sind top. Die Guides sind absolut professionell und selbst sehr gute Flyfisher mit teils internationaler Guiding-Erfahrung. Die Maria Behety Lodge hat maximal 16 Ruten und besitzt die 100 besten Pools an 32 Miles am unteren Rio Grande auf beiden Flussufern. Keine andere Lodge am Rio Grande bietet diese Möglichkeiten.

In der Lodge gibt es einen voll ausgestatteten Flyshop, wo man wirklich alles Wichtige findet. Sollte einmal was ausgehen: Keine Sorge, die haben alle gängigen Nymphen, Streamer und Schnüre.

MEINE ANGELKOLLEGEN

Das Team: ein Südamerikaner, John Travis, und sonst alles US-amerikanische Angler. Amerikaner und der Eigentümer von “ The Fly Shop USA “ Mike Michalak, Ken, Ten, Bruce, Benson und Kenneth.

DAS ANGELN

Am Rio Grande schließe ich erste Bekanntschaften mit einer Zweihandrute. Zuhause habe ich mir eine Sage TCX #8 Switch mit Skagit Floating Schusskopf und dazupassende sink tips gekauft und selbst etwas geübt. Ein Wurfkurs hat aber noch gefehlt. Durch den meist sehr starken Wind ist das Fischen mit der Zweihandrute vorteilhaft. Der Wind ist teils so stark, dass mit der Einhandrute die Wurfweite bis zur gegenüberliegenden Abbruchkante und Rinne nur schwer erreicht werden kann. Auch das Menden funktioniert mit der Zweihandrute besser.

Der Wasserstand war eher niedrig, das Wasser klar. Die tiefsten Stellen – und damit die besten – waren meist in den Außenkurven am anderen Ufer. Um nicht ständig tief im kalten Wasser zu stehen und zu nahe an den Fisch zu kommen, waren Wurfweiten von 20 bis 25 Meter notwendig. Mit der Zweihandrute war das kein Problem. 30 Grad stromab Wurf großes Mending, sinken lassen und swingen, meist ohne einzustrippen. Um den Rubber Legs Bewegung zu geben, strippte ich vor und zurück. Auf diese Weise kann man stets mit der Nymphe oder dem Streamer in Kontakt bleiben. An Stellen mit wenig Strömung strippte ich langsam ein und hatte damit auch Erfolg.

Die Nymphen
Die gängigsten Nymphen kann man vor Ort kaufen. Ansonst sind je nach Wasserstand und Farbe tagsüber Nymphen in der Hakengröße 6 – 12 am besten: Prince, Montanas, Stoneflies, Copper John, Girdle Bug, Yuk Bug, alle meist mit rubber legs. Nach Sonnenuntergang und bei Dunkelheit wechselten wir und fischten mit Black Leech, Crystal Buggers und Wolly Buggers.

19.2.2012

07:15h: Aufstehen, Frühstücken und Abfahrt zum Rio Grande.Wir sind heute mit Guide Andrew unterwegs und fahren zu Pool 11 Nirvana. Die Guides fischen in jeder freien Minute selbst, man kann sich also einiges abschauen. Nach ein paar Stunden flog schon alles recht sauber und gestreckt ans andere Ufer. Learning by Doing!

Gegen 10:30h sahen wir einige Fische an der Oberfläche. Die Konzentration stieg. Um 11:00h fing ich dann schon meine erste Sea Run Brown mit acht Pfund, und ich war begeistert und hoch motiviert. Ken, mein Partner, hatte am Vormittag leider nichts. // Gegen Mittag fuhren wir zurück zur Lodge zum Mittagessen und zur täglichen Siesta bis 18:00, was mir als Hardcore-Angler fast zu lange dauerte. Zwei Stunden Pause wären für mich ausreichend gewesen. // Um 18:00h gings dann wieder ans Wasser zu Pool 32 Banghero. Ich fing vier Sea Runs, zwei verlor ich. Um 22:10h beim last cast im Dunkeln fing ich dann eine 16 Pfund-Sea Run mit 80 cm Länge. Ich war total happy! Was für ein erster Angeltag am Rio Grande.

20.2.2012

Am zweiten Tag fahren wir mit Guide Hernan zum Pool 25 Alejandro, wo ich zwei Sea Runs und eine super Bachforelle landete. // Es gibt am Rio Grande auch kapitale Bachforellen, die nicht ins Meer ziehen. Im Laufe der Woche habe ich einige davon gefangen, meist in der Abendzeit, wenn wir von kleinen Nymphen auf Streamer umstiegen. Am Abend auf Pool 21 war es für mich ruhig. Kein Biss. Bruce fängt eine kleine Sea Run.

21.2.2012

„Potato day“ oder „Papas“ – so nennen es die argentinischen Guides, wenn man eine Null hinlegt. Wir sind mit Sunnyboy Genaro unterwegs. Ausser, dass er mir ein paar gute Tricks beibringt und ich zwei super Fische im Drill verliere, kann ich keinen Fisch landen. Bruce geht es nicht viel besser.

Vormittags waren wir stromaufwärts, wo ich die zwei Fische verlor, nachmittags fischten wir nahe der Lodge. Angler-Kollegen hatten uns bereits vorgewarnt, dass der Pool die letzen Tage nicht sehr produktiv war. Das kann sich jedoch täglich ändern, denn die Fische ziehen ständig weiter, und ein schlechter Pool kann rasch ein top Pool werden.

22.2.2012

Heute geht es mit Lucas, übrigens ein sehr guter Fotograf, zu Pool 24 Julio, an dem sich ein Abschnitt als besonders gut herausstellen sollte. Da wir mit zwei Autos unterwegs sind, sind vier Angler am Julio. Bisse kommen fast ausschließlich an einer bestimmten Stelle. Für mich war es am Anfang schwierig. Alle fingen, und ich hatte eine längere Durststrecke!

Schließlich fing ich dann drei Sea Runs und hakte eine Vierte, die ich im Drill verlor. Benson fing ein 22 Pfund-Männchen, richtig farbig wie eine Bachforelle. Ein super Fisch! Leider habe ich in der Aufregung vergessen, ein Foto zu schießen. Ein toller Vormittag für alle am Julio. // Am Nachmittag fuhren wir bei extremem Wind und Eiseskälte zu Pool 26. Beim dritten oder vierten Wurf fing ich eine 14 Pfund-Sea Run. Dann noch gleich zwei Bachforellen auf dem Streamer, wobei eine 55 cm hatte! Es war wirklich saukalt, ich war unterkühlt, und es ging nichts mehr. Auch Bruce hatte keinen Erfolg mehr.

23.2.2012

Mit Diego fahren wir downstream zu Pool 24. Mike Michalak, der Eigentümer von The Flyshop USA, fängt gleich eine 16 Pfund-Fisch!

Ich bin fast drei Stunden ohne Biss; am Wasser ist keine Aktivität zu sehen. Gut, dass Diego entscheidet, den Pool zu wechseln. Wir gehen zu Pool 31 Horseshoe. Eine interessante Stelle. Das Ufer ist rutschig und lehmig. Drei, vier Meter vom Ufer ist eine steile Abbruchkante, wo das Wasser drei bis fünf Meter tief ist. Total vielversprechend! Und Fische drehen sich im Pool! Schwierig, die Nymphe runter zu bekommen, denn das Wasser hat Rückspülung, und die Strömung ist schnell.

Nach ein paar Versuchen finde ich eine Lösung, um die Passage zu befischen. In den 50 Minuten bis zu Siesta fange ich drei Fische: 6, 11, und 15 Pfund. Und endlich das erste Männchen mit einem echten Laichhaken. // Nachmittags auf Pool 16. – Mike hat einen Fisch gehakt und verloren. Ich hatte „Papas“! Bei der Rückkehr der Lodge erfahre ich, dass wir morgens am letzten Tag auf den top Pool der Woche Andrew kommen. Vorfreude und Erwartung sind groß.

24.2.2012

Der Tag beginnt kalt, ohne Wind, das Wasser ist am Rand gefroren, der Fluss spiegelglatt. Die Nacht war klar.

Unser Guide, Chefguide Federico, gibt uns eine Vorgabe: Am ersten Pool müssen wir 10 Fische fangen, alles andere sei schwach. Nun: Wir fangen vormittags bei Windstille und Sonnenschein 18 Fische, ich selbst 11! Ich bin sehr stolz, denn ich habe an diesem Tag mehr Fische als John, the South African, der uns alle sonst immer deklassierte. Ein super Tag! Zweimal haben wir double strikes. Als Krönung fange ich dann um 11:00h ein 26,5 Pfund-Sea Run Weibchen!

Am Nachmittag fange ich nichts mehr, John dafür aber drei Fische, und damit holt er mich wieder auf den Boden. Ich freue mich mit ihm.

RÉSUMÉ

Ich hatte eine super Woche am Rio Grande. Die Bedingungen waren gut, das Wetter war etwas kalt aber in Ordnung und das Wichtigste: Das Fischen war ein Traum! Ich habe eine echte Beziehung zu meiner Zweihandrute aufgebaut und viel gelernt. Was soll man sagen: Ich habe mich sofort entschlossen, im Jänner 2013 wiederzukommen. Dann vielleicht mit einem Freund, die Fotos sind bestimmt überzeugend.

WOCHENLEISTUNG

In dieser tollen Woche habe ich in sechs Tagen die folgenden Fische gefangen:

25 Sea Runs
18 Fische mit 5 -15 Pfund
5 Fische zwischen 15 und 20 Pfund
1 Fisch mit 26,5 Pfund

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