EN
RIO GRANDE, ARGENTINIEN, FEBRUAR 2013

Vom Rio Grande-Fieber gepackt bin ich also wieder unterwegs nach Südamerika. Einziger Wermutstropfen ist die lange Anreise. Aber: Aus Erfahrung wird man klug – und ich nehme dieses Mal einen Lufthansa-Direktflug von Frankfurt nach Buenos Aires. Eine wesentliche Erleichterung!

Außerdem konnte ich Georg Marberger davon überzeugen, die Reise mit mir zu machen. Wir sind uns natürlich beim Fischen begegnet: Ich habe eine Jahreskarte an seiner Strecke an der Ötztaler Ache, eine super Flußstrecke mit starkem Bachforellen- und Regenbogen-Besatz.Wir treffen uns am 25. Jänner in Buenos Aires, Georg kommt mit Air France nach Argentinien. Den Nachmittag verbringen wir mit einem Stadtbummel, nach dem wir uns abends natürlich zur Begrüßung ein delikates argentinisches Steak mit ein paar Gläsern gutem Malbec gönnen. Am nächsten Tag fliegen wir weiter nach Rio Grande. Am Flughafen werden wir von den Guides erwartetet und zur Maria Behety Lodge gebracht.

Schlechte Nachrichten: Die Fischerei war in den Tagen vor unserer Ankunft trotz guten Wasserstands recht schwierig. Eine ungewöhnliche Hitzewelle mit bis zu 30 Grad hatte das Wasser sehr schnell erwärmt, und das hatte den Sea Runs nicht gut getan hat. Sie waren nicht sonderlich motiviert, die Fliegen zu attackieren. // Das Wasser ist fast klar und der Wasserstand etwas höher als das Jahr zuvor. Auf den ersten Blick scheinen die Bedingungen nicht schlecht. Was wir brauchen, ist vor allem eine konstante Wassertemperatur.

In der Lodge treffen wir unsere Fischer-Kollegen für diese Woche. Außer Georg und mir sind es vorwiegend Amerikaner, zwei Iren und zwei Engländer.

POOLMAP DER MARIA BEHETY LODGE

27.01.2013

Sonntagmorgen! Endlich – nach der langen Anreise ist es soweit. Um 7:30 Uhr fahren wir mit Guide Andrew zu Pool 25 Theresa, wo schon richtig was los ist; Fische rollen wohin man schaut. Der Wind hat schätzungsweise 70 km/h, nicht unbedingt gemütlich.

Eine Stunde dauert es, dann fange ich die erste, mit 6 Pfund nicht besonders große Sea Run, aber immerhin. Kurz danach verliere ich eine. Auch Georg verliert kurz vor der Landung einen besseren Fisch. // Abends fahren wir stromauf zu Pool 5 Gringa und Pool 6 Record. Die oberen Plätze teilt die EMB Lodge mit der Kau Tapen Lodge.

Vom letzten Jahr habe ich an die stromauf gelegenen Pools keine guten Erinnerungen. Der Fluss ist dort mit ca. 30 Metern recht schmal, und so entschließe ich mich, mit der Einhandrute zu fischen. Die richtige Entscheidung: Ich fange fünf Sea Trouts, Georg kann eine landen. Die Fische sind jedoch mit 5 bis 7 Pfund durch die Bank eher klein für den Rio Grande.

28.01.2013

Am Morgen begrüßt uns Miguel, ein neuer Guide, der das erste Jahr auf der Behety Lodge ist, davor aber schon in anderen Lodges am Rio Grande Erfahrung gesammelt hat.

Vormittags sind wir auf die Pools 11 Nirvana und 12 Barda eingeteilt. Nirvana hat einen Ruf als toller Pool, aber wir haben heute kein Glück. Wir sehen keinerlei Aktivität und haben auch keinen Biss. Es schaut so aus, als ob die Fische den Pool verlassen haben und weiter stromauf gezogen sind.

Abends fischen wir dann Pool 15 Castor und Pecera. Georg fängt eine kleine Sea Run, ich habe einen „Potato Day“ – also eine Nullrunde.

29.01.2013

Heute fischen wir mit Gabi Platz 22, Pool Andrew. Andrew ist mir in bester Erinnerung: Letztes Jahr habe ich hier an einem Vormittag sagenhafte 11 Fische gelandet und als Krönung die 26,5 Pfund Sea Run. Ich liebe diesen Pool und kann mich an die Topstellen erinnern. // Und es ist wie vermutet! Die Bisse kommen wie ein Jahr zuvor, obwohl der Wasserstand höher ist.

Der Wind ist stark und kommt seitlich zur Wurfrichtung. Es dauert ein bisschen, aber ich finde eine Lösung, um an die richtige Stelle zu werfen: Ich muss den Wind schneiden, um mit Überkopfwurf bei einem stark Richtung Wasser weisenden Wurfwinkel die am anderen Ufer liegende Abbruchkante zu erreichen. // Dann geht es Schlag auf Schlag! Ich fange fünf Sea Runs mit bis zu 17 Pfund und verliere 3 weitere im Drill.

Georg, der noch wenig Wurferfahrung mit der Zweihandrute hat, kommt mit den Bedingungen nicht so gut zurecht und kommt zu kurz: Er schafft es nicht, an die guten Stellen auf der anderen Seite zu kommen und kann daher nichts haken.

Am Abend geht es zu Platz 26 Pool Largo, wo der Fluss langsam ist. Die Fische rollen allerdings auf der anderen Uferseite. Für mich schaut nichts heraus, Georg fängt eine Sea Run. Das war’s für diesen Abend.

30.01.2013

Heute fischen wir mit Headguide Federico – das kann ja nur ein guter Tag werden! Der Wind ist extrem und wird noch stärker. Wir haben mit bis zu 70 km/h zu kämpfen; der lokale Wetterbericht sagt Sturm voraus.

Nichtsdestotrotz: Ich habe einen super Biss und einen extrem starken Drill mit langen Fluchten. – Was mir verdächtigt erscheint. Ich lande eine 14 Pfund Sea Run an der Seite gehakt, Georg fängt eine Sea Run. Manchmal hat man Pech und hakt nur kleine Fische. // Zu Mittag gibt es ein großes Barbecue in der Estancia Maria Behety mit den Gästen der La Villa Lodge. Das Essen kann sich sehen lassen: das große Vorspeisenbuffet, Lamm, Schwein, Rind und Hühnchen vom Grill – ausgezeichnet!

Alle andern erzählen von guten Fängen am Vormittag während wir mit enttäuschenden Resultaten zum Mittagessen kommen. Umso mehr hoffen wir auf die Abendsession. Die Hoffnung lebt – leider sind die Aussichten bescheiden: Wir haben keinen besonders beliebten Pool für den Abend.

Unser Trumpf ist Headguide Federico. Kurzentschlossen ändert er den Plan, und wir fahren zu dem hervorragend Abendplatz 31, Pool Horseshoe. Ich erinnere mich an meine tollen Erfolgen an diesem Platz und bin sicher, bei Horseshoe etwas zu haken.

Dieser Platz ist äußerst schwierig zu befischen: Der Boden ist sehr lehmig und rutschig, und am Ufer gibt es eine 90 Grad abfallende Abbruchkante. Die Wassertiefe beträgt drei bis fünf Meter, die Strömung drückt stark auf die Kante. Alles erinnert ans letzte Jahr. Ich bring meinen kleinen Streamer auf Tiefe und es gelingt mir, zwei Fische zu haken,einen verliere ich im Drill. Die schwierigen Verhältnisse spielen Georg nicht in die Hände, und Horseshoe verweigert ihm einen Biss.

Dann wechseln wir zu Platz 32, Pool Banquero. Federico zeigt Georg den Platz und wie er ihn befischen soll. Inzwischen baue ich um und wechsle auf einen leichteren Schusskopf. Beim zweiten Wurf hake ich schon eine 14 Pfund Sea Run mit extremen Bissspuren von einem Seelöwen. Nach Sonnenuntergang, als es schon dunkel ist, die Sensation: Georg und ich haben einen Doppelrun! Was für ein Ausklang für diesen abenteuerlichen Tag.

31.1.2013

Guide Patrick begrüßt uns heute mit der Nachricht, dass wir Sturm haben werden und uns der Wind so richtig um die Ohren brausen wird. Und er sollte damit recht haben. Am Platz 20 Pool Cabbezoni und Bocca, Quieto geht‘s dann richtig zu Sache mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h und Böen mit 100 km/h! Doch der Wind spielt uns in die Hände, die Wurfweiten sind gigantisch. Gleichzeitig mit dem starken Wind wird es auch kälter. Ich habe gerade einmal einen Biss, aber beide landen wir keinen Fisch. Unseren Kollegen in der Lodge geht es nicht anders: Bis auf Doug landet kein Einziger einen Fisch.

Am Nachmittag nimmt der Wind noch weiter zu. Manche in der Gruppe zweifeln, ob man überhaupt noch einmal hinaus soll. Aber der Kampfgeist siegt schließlich; niemand möchte die schlechten Resultate vom Vormittag stehen lassen, und so gehen alle am Nachmittag doch noch hinaus.

Auf Platz 18 geht zuerst einmal gar nichts. Georg macht früher Schluss, ich bleibe und fange eine Sea Run mit 6 Pfund. Für mich also doch keine Nullrunde oder „Potato Day“, wie man hier sagt.

1.02.2013

Mit Genaro, dem Sunnyboy, fahren wir heute zum vielversprechenden Platz 30 Pool Moneta, der die ganze Woche gut Fische gebracht hat. Gleich zu Beginn hat Georg einen super Fisch am Haken. Ich lasse das Fischen sein und filme ihn, in der Hoffnung, dass er diesen schönen Fisch landen kann. Kurz vor der Landung verliert er ihn leider und wenig später noch einen.

Und dann geht‘s bei mir Schlag auf Schlag! Ich habe genau die richtige Stelle für mich gefunden: Nach der Reihe fange ich Fische mit 7, 11, 14, 13, und 16 Pfund und verliere zwei weitere. // Die Abendsession ist am Platz 16. Eine Sea Run geht mir an den Haken, eine weitere, sehr gute, geht mir verloren.

Georg bleibt vom Pech verfolgt. 30 Meter von mir entfernt kämpft er wirklich mit einem super Fisch, der drei, vier Mal komplett aus dem Wasser springt, teils keine fünf Meter vor ihm. Wir sehen den Fisch ganz nahe – es ist eine Sea Run mit über 20 Pfund. Aber leider verliert Georg den kämpferischen Fisch; bei einen Sprung schüttelt sie den Haken ab. Schade – das wäre mit Sicherheit der größte Fisch der Woche gewesen!

RÉSUMÉ

Fischerei First Class – das war diese Woche am Rio Grande; ein wirklich, tolles Erlebnis. Der starke Wind gehört einfach zum Rio Grande; sonst hatten wir mit dem Wetter Glück: Es gab kaum Regen und war auch nicht so kalt wie 2012. Vom Pech ein wenig verfolgt hat Georg bewundernswerten Kampfgeist entwickelt. Im Frühjahr will er einen Zweihand-Wurfkurs machen, um besser vorbereitet zum Rio Grande zurückzukehren. Er hat noch eine Rechnung offen.

Es war eine richtig gute Zeit, auch gemeinsam mit den Kollegen aus unserer Gruppe. Rio Grande – 2014 komme ich wieder!

ALLE BILDER DIESER REISE