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SEYCHELLEN, DESROCHES, MÄRZ 2013

Unsere Tochter Anna ist sieben Jahre alt und seit Herbst in der Schule. Also müssen wir unseren Familienurlaub ab nun nach den Ferienzeiten Annas ausrichten. Für die Osterferien vom 22. März bis 2. April 2013 haben wir Desroches Island auf den Seychellen ausgesucht. Die Insel liegt etwa 250 Kilometer von der Hauptinsel Mahé entfernt mitten im Indischen Ozean und ist nur mit dem Flugzeug erreichbar. // Desroches Island ziemlich neu erschlossen; das Management liegt in der Hand einer südafrikanischen Unternehmensgruppe und das Führunspersonal ist vorwiegend aus Südafrika. Das Hochseefischen läuft professionell unter der Führung von „Cast Away“.

Die Insel ist ein Paradies für Urlaubsgäste, die Luxus und Entspannung suchen, aber auch eine top Angeldestination. Desroches liegt in der Mitte eines Atolls, der Fischreichtum sucht seinesgleichen. Wegen der einsamen Lage und der Untiefen gibt es so gut wie keine kommerzielle Fischerei.

Ein Familienurlaub, bei dem das Fliegenfischen nicht zu kurz kommt – die perfekte Kombination! Für mich ist es das erste Mal, dass ich mit der Fliege im Salzwasser fische, und ich bin gespannt. Von meinen Kollegen weiß ich: Salzwasserfliegenfischen ist die Superlative, was Kampfkraft und Aggressivität der Fische betrifft.

Die Anreise ist strapaziös: Wir fliegen von München nach Dubai, wo wir mitten in der Nacht fast vier Stunden Aufenthalt haben. Danach fliegen wir in viereinhalb Stunden weiter nach Mahè, der Hauptinsel der Seychellen. Von dort geht es nach weiteren zwei Stunden Wartezeit in der hoteleigenen Lounge mit einem kleineren Flieger in 50 Minuten weiter nach Desroches.

Wir werden vom Managment empfangen und zur Unterkunft gebracht. Unsere Beachvilla ist ein Traum: Wir haben einen eigenen Strand mit Lagune! Die Bones stehen also 20 Meter von der Villa entfernt. Essen, Service und Ambiente sind Spitzenklasse, wir können die Insel auch für Erholungsuchende absolut empfehlen. // Abends gehen wir gleich nach dem Essen schlafen, wir sind geschafft nach der langen Anreise und schlafen herrlich im Himmelbett mit Moskitonetz.

Gleich nach Sonnenaufgang stehe ich auf und richte eine Achter-Rute her. Zuerst probiere ich ein paar Blindwürfe; nach dem fünften, sechsten Wurf habe ich schon einen Biss. Der Fisch zieht mir gleich die komplette Fliegenschnur von der Rolle und geht zehn Meter ins Backing. Bald sehe ich, dass ich einen Bonefisch am Haken habe. Wie kann ein Fisch mit etwa 2 Kilo so viel Kraft haben? Und die Geschwindigkeit, mit der diese Bones abgehen – ein Wahnsinn! Noch vor dem Frühstück habe ich fünf Bonefish gelandet und bin total begeistert.

Auf dieser Reise möchte ich vor allem Zeit mit meiner Familie verbringen. Meine Frau kennt und toleriert aber meine Leidenschaft, und ich buche in Abstimmung mit ihr ein großes Boot für zwei ganze und zwei halbe Tage.

1. ANGELTAG

Es geht mit dem Boot zur etwa 27 Meilen entfernten Insel St. Joseph. Die Hinfahrt dauert mit den schnellen Booten (2 × 300 PS Außenborder) nur 50 Minuten. David, ein Südafrikaner, ist mit auf dem Boot, wir teilen uns die Kosten.

Es gibt um St. Joseph und die Nachbarinseln Bilderbuch-Flats mit normalerweise vielen Bones und einer gesunde Population Indo-Pacific Permits. Headguide Cameron erzählt mir, dass viele Fischer seit Jahren nur wegen der Permits kommen, die schwer zu bekommen sind, weil sie die Flats meist sehr schnell durchziehen und man nur selten eine gute Anwurfgelegenheit bekommt. Sie sind extrem scheu und sehen sehr gut.

Wir sind zur wärmsten Jahreszeit hier, und leider bemerken wir bald, dass keine Bones auf den Flats stehen, dafür Schwarzspitzen-Riffhaie, Lemonhaie, viele Rochen und Schildkröten. Eigentlich hatten wir vor, richtig viele Bones zu fangen. Wir sehen immer wieder Permits, die uns aber nie nah genug heranlassen. Das sorgt für Spannung.

Ich filme Tailing Permits beim Fressen im Turtlegras. Aber irgendwie scheint es, dass sie unsere Präsenz spüren, denn sie halten uns immer auf ausreichend Abstand. Wenn ich einmal knapp auf Wurfdistanz bin, ziehen sie wieder ab. Echt eine verflixte Sache. Der Guide kann sich die fehlenden Bones nur mit der hohen Temperatur erklären. Wir fischen ausströmende Tide und später auch einströmende. Die Bones bleiben aber aus.

Wir beschließen es aufzugeben und gehen zu unserem Boot zurück. Kurz vor dem Boot sehe ich einen Permit auf circa 30 Meter Distanz. Dann verschwindet er wieder.

Knapp danach sieht Cameron dann zwei Permits auf circa 20 Meter Distanz. Der Wind ist gut, deshalb kann ich beim ersten Wurf den größeren der beiden optimal anwerfen. Ich lasse die Crabfly zuerst sinken und beginne langsam zu strippen. Der Permit kommt und folgt meiner Fliege. Mir bleibt das Herz fast stehen, denn beim Näherkommen sehe ich erst, wie groß der Fisch ist. Er nimmt aber nicht und dreht ganz langsam ab. Er hat uns aber nicht bemerkt, und beide Fische fressen ungestört weiter. Wir können sie immer noch gut sehen, und sie kommen wieder in Wurfdistanz. Der Wind ist nicht stark aber er kommt nun von der Seite. Ich werfe, und meine Fliege landet nicht optimal gestreckt und zu weit rechts von den Permits. Sobald die Fliege eintaucht, merke ich mein Glück. Die Strömung der einfließenden Flut geht genau in Richtung der Permits, und ich lasse die Crabfly unter Spannung Richtung Fische schwingen. Dann vermute ich, dass ich ziemlich genau vor der Nase des größeren Fisches bin und beginne einzustrippen. Er schwimmt sofort nach und nimmt. Nun geht die Post ab.

Mir kommt vor, dass sich meine Rolle fast überschlägt. Was für Kraftpakete und welcher Speed! Nach drei, vier Minuten ist die Kraft weg, und der Permit zieht immer nur im Kreis um uns herum. Cameron ist selbst nervös und will, das wir den Permit landen. Er erklärt mir, dass ich nicht zu viel Druck machen soll. Permits haben ein weiches Maul, und wir wollen den Fisch nicht schlitzen. // Eine andere Gefahr droht: Ein Lemonhai schwimmt hinter unserem Fisch her und will attackieren. Cameron unterbricht das Filmen. David kommt mit seinem Guide dazu, und sie helfen uns, den Hai zu verscheuchen.

Der Tag scheint gelaufen, und es sieht so aus, als ob ich ein echter Glückspilz bin. Ich lande am ersten Tag beim zweiten ernsthaften Wurf einen stattlichen Permit mit circa 6-7 Kilo! Ich freue mich total über den Fisch, er ist faszinierend schön.

2. ANGELTAG

Ich habe einen halben Tag offshore mit dem Boot “Predator” gebucht und bin schon gespannt. Wir schleppen zwei Teaser parallel zum Drop off in 40-60 Meter Tiefe. Nach fünf Minuten sehen wir die erst Attacke auf einen der Teaser, dann auf den zweiten.

Der Skipper und der Guide ziehen die Teaser zurück, ich werfe meine Fliege. Kyle, der Guide, weiß schon lange, dass es Bonitos sind. Ich habe meinen ersten offshore Fisch am Haken, einen Bonito mit 4-5 Kilo. Und ich stelle wieder fest, wie brutal der Anbiss ist und welche Kraft Salzwasserfische haben. Der Bonito wird filetiert und die Filets auf die Teaser montiert. In der Zwischenzeit bin ich sicherer und verstehe, wie die Sache abläuft.

„Wahoo!“ ruft Kyle, und ich kann den Fisch mit dem Teaser im Maul aus dem Wasser springen sehen. Dann folgt eine Attacke auf den zweiten Teaser. Ich werfe wieder meine Fliege ein und sehe einen Blitz durch das Wasser direkt auf meine Fliege schießen. Der Strip Strike war ein frommer Wunsch. Der Biss und die erste Flucht sind so agressiv, dass ich mir mit der Fliegenschnur kräftig einen Finger verbrenne. Ich kann aber meinen ersten Wahoo landen. Ein super Erlebnis! An dem Vormittag haben wir dann noch einige Attacken auf die Teaser. Ich fange noch einen Bonito, und das war‘s dann.

3. ANGELTAG

Ich teile mir wieder einen halben Tag mit David, und wir gehen offshore. Das Fieber hat uns gepackt! Wir wollen die Großen erwischen. Am Vortag haben zwei Engländer zwei Sails und einen Yellow Fin Tuna gefangen. Wir wechseln uns ab im 30-Minuten-Takt. Die Bonitos lassen nicht lange auf sich warten. Wir fangen gleichzeitig drei Stück und behalten einen für die Filets, um die Teaser zu bestücken.

Wir haben laufend Attacken auf die Teaser, aber es sind Wahoo und die attackieren den Teaser aggressiv und bemerken meist, dass da was faul ist. // Nach einer Stunde meldet Kyle einen Sail, dann einen zweiten. Die zwei Sails attackieren laufend die Teaser. Meine Fliege ist im Wasser, die Teaser werden eingezogen. Als meine Fliege in Höhe der Teaser ist, habe ich den ersten Biss, kann aber nicht haken.

Dann der nächste Biss, der Sail kommt von der Seite, und ich kann richtig gut spüren, wie ich ihm den Haken in sein Maul setze. Dann geht die Post ab! Die Rolle singt nur so, und der Sail springt vier Mal komplett aus dem Wasser. Nach zwei Minuten, beim letzten Sprung, kommt er mir ab. Ich bin total enttäuscht, aber auch motiviert, noch einen Biss zu bekommen. Alle zehn Minuten gibt es eine Aktivität bei den Teasern. An dem Morgen fangen wir noch Bonitos. David hat die gleiche Chance wie ich: Sails sind knapp am Boot. Er kann aber nicht haken.

4. ANGELTAG

Ich habe eine Ganztagestour gebucht und das Boot mit Crew für mich allein. Heute muss es klappen – ich will einen Sail oder sonst was Großes. Am Morgen fahren wir wieder nach St. Joseph. Dort versuchen wir unser Glück und hoffen, dass Bones auf den Flats stehen. Wir bemerken aber bald, dass es nur einzelne Fische zu spotten gibt.

Ich kann einen haken, verliere ihn aber gleich nach der ersten Flucht. Wir sehen ein, dass es sinnvoller ist, offshore zu fischen, denn die Flats sind fast leer. Es geht Richtung Flut. Wir fangen gleich wieder Bonitos und können damit unsere Teaser bestücken. Nach fünf Minuten habe ich schon die erste Attacke. Ein Wahoo zieht mir 100 Meter von der Rolle, und dann geht er mir vom Haken.

Eine halbe Stunde später habe ich wieder meine Sailfischchance: zwei Sails hinterm Boot! Ich hake einen davon, aber der Haken sitzt nicht und in Sekundenschnelle hat ihn der Sail abgeschüttelt. Meine Fliege ist noch im Wasser, und ein Sail ist immer noch hinterm Boot. Noch eine Chance, aber ich kann wieder nicht richtig haken. Ich bin fertig mit den Nerven und ärgere mich.

Es ist fast vier Uhr nachmittags, seit 70 Minuten ist nicht Ernsthaftes passiert. Kyle beschließt, zu einer anderen Stelle zu fahren. Dort habe ich eine weitere Sail-Chance, will aber darüber nicht reden …

Und kurz darauf geht die Post ab! Ein Hundezahn-Thunfisch hat meine Fliege genommen, und meine Rolle überschlägt sich fast. Kyle ruft mir zu: “Very big doggy!” Und ich antworte: „Der spult mich ab!“ Der Tuna hat mir schon mindestens 400 Meter Backing abgezogen, und das bei der ersten Flucht! Jetzt hat er aber abgedreht, zum Glück.

Ich habe alle Hände voll zu tun, Kontakt zu halten und spule ein so schnell es geht. Der Kampf dauert fast 40 Minuten, zum Schluss ist es nur mehr pumpen und pumpen. Als der Doggy aber hochkommt, sehe ich erst, was ich da für einen Brocken gefangen habe! Der Fisch wiegt zwischen 50 und 60 Kilo und hat fast 1,4 Meter Länge. Wir müssen leider zurück, weil wir 90 Minuten von Desroches entfernt sind. Schade! Ich bin hochmotiviert und hätte gerne noch was an den Haken bekommen.

Während der Heimfahrt, etwa 15 Minuten vor Desroches sehe ich Möwen und Fische aus dem Wasser springen. Kyle dreht das Boot ab und fährt dort hin. Ich vermute Delfine und richte mit die Kamera. Bald sehe ich aber, dass es Thunfische sind, die Baitfische jagen. Das Wasser kocht nur so von kleinen Fischen, die aus dem Wasser spritzen. Yellow fin tunas und Bonitos! Wir haben gleich eine Attacke, und ein Fisch nimmt meine Fliege. Leider nur ein Bonito, der mir einen harten Kampf liefert. Er ist an der Seite gehakt, merken wir kurz vor dem Boot. Nervösität kommt noch einmal auf, als ein großer Tuna meinen Bonito nehmen will. Der Tuna sieht uns dann aber und gibt sein Vorhaben auf.

Wieder spritzen die Fische nur so aus dem Wasser. Kyle meint, es seien GTs oder Kingfish. Ich werfe meine Fliege ein und schon geht die Post ab. Ich fange noch einen Yellow Spot Kingfish mit circa 9-10 Kilo. Was für ein Ausklang! Ich bedanke mich bei den Guides für den gelungenen Tag.

FISCHEN AN DER HOTELINSEL

Auf Desroches gehe ich zwischendurch immer wieder an unserem Strand und vor dem Restaurant fischen und fange zahlreiche Bonefisch. // Das Fischen im Salzwasser fasziniert mich! Das werde ich nach diesen unglaublichen Erlebnissen mit Sicherheit wiederholen.

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