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TERRACE, BC, CANADA, SEPTEMBER 2013

In den letzten zwei Jahren habe ich auf viele verschiedene Fischarten im Süß- und Salzwasser gefischt. Ein wichtiger Süßwasserfisch geht mir aber noch ab in meinem Album: die STEELHEAD.

Die Steelhead ist eine Searun Regenbogenforelle, die wie ein Lachs ins Meer zieht und zum Laichen zurück in den Fluss kommt. Allerdings tut sie das nicht wie der Lachs nur einmal im Leben, sondern mehrmals. Wenn eine Steelhead ins Süßwasser zurückkehrt, frisst sie weiterhin, und sie verendet auch nach dem Ablaichen nicht. Mein Guide Stan erzählt, dass man im Magen von Steelheads von Insekten über Mäusen bis zu kleinen Fischen alles Mögliche fand, als man sie noch entnehmen durfte.

Steelheads erreichen beachtliche Größen: Der Rekord liegt bei 40,75 lbs und einer Länge von 45,25 Inches. // Die besten Steelhead-Flüsse gibt es in British Columbia, Kanada. Logischerweise muss ich dort hin. Mein Plan ist es, vorab nördlicher nach Smithers zu gehen und die bekannten Flüsse wie Kispiox, Babine oder Bulkley zu befischen. Da ich mit dem Buchen jedoch viel zu spät dran bin, finde ich um Smithers keine gute Lodge und keinen Guide mehr. Ich möchte wie immer gern flexibel sein und mich nicht unbedingt auf einen Fluss beschränken.

Bild: minionflyfishing

Skeena Wilderness Fishing Charters in Terrace, BC, klingt nach einer guten Lösung. Nach einigen Telefonaten und E-mails mit Stan Doll, entscheide ich mich, dort zu buchen. Ein Glücksgriff!

Stan Doll ist mit seiner Guiding-Firma seit über 40 Jahren im Geschäft. Seine beiden Söhne Kori und Kelly haben das Fliegenfischen von klein auf von ihrem Vater gelernt. Ich bin da wirklich in den allerbesten Händen.

Hier der Link zu ihrer Website: bc-steelhead

Untergebracht bin ich in Stans Haus, wo es einige Gästezimmer gibt. Das Essen ist super, die Stimmung familiär, ich fühle mich pudelwohl. Das Equipment, die Autos und Boote sind erste Sahne; wer Fliegen nachbinden will: Stan hat einen Bindeplatz mit allem, was man sich nur denken kann. // Stans Programm umfasst auch kleinere Steelhead-Flüsse, wo er als einziges Guiding-Unternehmen lizensiert ist.

Es gibt in der unteren Skeenaregion viele Topflüsse, die zwar nicht so bekannt sind wie die Flüsse im Oberlauf, aber dafür auch nicht so stark befischt werden. Dort gibt es rund ums Jahr Steelheads. Manche Flüsse haben einen starken Frühjahrsrun, andere Frühjahr- und Summerruns. Der Kalum River ist z.B. ein Fluss, wo jedes Jahr viele kapitale Steelheads gefangen werden. Er steht als Erstes auf meinem Programm.

Leider ist das Wetter in BC sehr unbeständig. // Als ich ankomme, erzählt mir Stan, dass drei Wochen lang eine extrem unübliche Hitzeperiode geherrscht hat mit bis zu 30 Grad Celsius. // Die Flüsse führen deshalb wenig Wasser, das sich stark erwärmt hat. Nicht gut für die Fischerei! Bei meiner Ankunft regnet es aber sehr stark, und das bleibt auch die nächsten Tage so.

KALUM KITSUM RIVER

Ich steh schon um 6:30 Uhr auf, schlafen kann ich ohnehin nicht mehr. Stan fährt mit mir zum Kalum River. Das Wasser ist sehr trüb, das gefällt mir nicht. Ich schätze, es sind maximal 30 cm Sicht, Bedingungen, unter denen ich normalerweise nicht fischen würde. Stan machte mir aber Hoffnung, und so blieb ich auch zuversichtlich. Ich fische mit großen, dunklen Mustern in den Farben Schwarz/Blau und Schwarz/Purple.

Wir fangen Dollies und einige Pinks, haben aber keinen Steelheadbiss. Das Wasser steigt und wird immer trüber: Im 20 cm tiefen Wasser kann ich meine Watschuhe nicht mehr sehen. Betrübliche Aussichten also, und ich nehme an, dass sich bei dem starken Regen das Wasser nicht erholen wird und der Fluss sowieso seine Zeit braucht, um wieder aufzuklaren.

Bill und Jim, zwei amerikanische Steelheadveteranen, sind mit Kori am Copper. Sie fangen drei Steelheads und haben weitere verloren. Das Wasser dort ist zwar eingetrübt aber noch gut fischbar. // Stan schlägt vor, dass wir morgen zum Gitnadiox sollen, dort sollte das Wasser klarer sein.

19.9.2013: GITNADIOX UND SKEENA

Ich stehe um 5:30 Uhr auf, nach dem Frühstück fahren wir zum Gitnadiox. Ein toller Fluss mitten in einem Nationalpark, Stan hat als einziger Guide die Lizenz, den Fluss zu befischen. // Aber auch dort ist Hochwasser, es regnet kontinuierlich. Wir versuchen es zwei Stunden lang, ohne Erfolg.

Dann fahren wir zum Skeena und machen 1000 Würfe. Ich fange einen kleinen Silberlachs. Dann habe ich einen großen King dran, der zieht mir gemächlich 200 Meter Schnur ab, dann ist das Vorfach abgeschnitten. Ich glaube, er war am Schwanz gehakt.

Jim und Bill mit Kori waren wieder am Lower Copper und haben vier Steels gehakt und drei oder vier verloren. Das Wasser ist dort getrübt aber noch fischbar. Super, denn morgen fahre ich mit Kori dorthin.

20.9.2013: COPPER RIVER

Jim, Bill, Kori und ich fahren zum Copper River; wir starten sehr früh, damit wir die Ersten am Fluss sind. Leider ist das Wasser stärker eingetrübt als tags zuvor, aber es ist noch halbwegs fischbar.

Wir probieren es, aber ohne Erfolg. Am Nachmittag wird das Wasser noch trüber und ist nicht mehr fischbar. Ich habe einen Silver gefangen und sonst niemand was. Verdammt.

Ich bin langsam frustriert und überlege, was ich tun soll und wie ich dem Wetter ausweichen kann, denn ich habe ja noch einige Fischtage vor mir. // Smithers wäre eine Option, dort soll es nicht regnen, und die Flüsse sollen gut befischbar sein. Drei Amerikaner, die ich am Copper getroffen habe und auch Bill und Jim waren davor an Kispiox und Babine. Dort herrschten schwierige Bedingungen, es wurden kaum Steelheads gefangen.

Bill ist 84 Jahre alt und noch ein echter Steelheader, er watet durch den Fluss wie ein Junger. Zwei ganz tolle Typen, mit denen ich viel Spass hatte. // Der Wetterbericht sagt eine Wetterbesserung voraus. Heute regnet es nur zeitweise ganz leicht. Stan schlägt vor, ein bis zwei Tage am Kasiks zu fischen. Dort gibt es zwar kaum Steelheads aber einen guten Silberlachsbestand.

21.09.2013: KASIKS RIVER

Der Kasiks liegt etwa 40 Meilen südlich von Terrace in Richtung Küste. Es ist ein Seitenfluss des Skeena River. Er hat einen Frühjahrsrun aber keine Steelheads im Sommer; statt dessen Silberlachse.

Normalerweise ist der Fluss nur im Frühjahr mit dem Jetboot befahrbar, aber weil nun überall Hochwasser ist, führt auch der Kasiks viel Wasser. Dieser Fluss trübt nie ein und bleibt immer klar. Er ist nur etwa fünf, sechs Kilometer lang, das Wasser entspringt aus Quellen und Wasserfällen, die an den Felswänden herunter rinnen. Der Kasiks ist also derzeit der einzige Fluss, der klar und befischbar ist. Zudem ist er wunderschön, wirklich ein Naturjuwel.

Am Morgen sind wir alle optimistisch, es hat in der Nacht nicht geregnet. Wir wollen zuerst zum Kalum fahren und uns das Wasser dort ansehen. Leider: Das Wasser ist extrem trübe. Wir sind enttäuscht und entscheiden, zum Kasiks zu fahren.

Dort fangen wir 12 Silverlachse, teilweise echt Kapitale. Dabei regnet es den ganzen Tag. Zwei mal sehen wir einen Schwarzbären.

22.09.2013: KASIKS RIVER

Alle Flüsse um Terrace einschliesslich Copper führen Hochwasser und sind schmutzig; Kori und ich fahren also zum Kasiks, wo ich viele Silberlachse fange.

UPPER COPPER: 4 TAGE HELIKOPTER-FISCHEN

Der Upper Copper ist nur mit dem Helikopter erreichbar, weshalb der Befischungsdruck gering ist. Ein Tag mit dem Hubschrauber kostet etwa 1800 Euro. Mit Peter und Kenneth, zwei Amerikanern, teile ich die Kosten, und wir vereinbaren, die nächsten zwei Tage dort zu fischen.

Der Piloten erzählt uns, dass der Upper Copper fast klar ist und tags zuvor zwei Amerikaner dort sehr gut gefangen haben. Endlich wieder Hoffnung auf gutes Wasser und Steelheads!

23.9.2013: UPPER COPPER

Der Helikopter-Flug ist sensationell. Das Wetter ist klar und erstmals blauer Himmel zu sehen. Als wir den Upper Copper das erste Mal überfliegen, sehen wir einen wundervollen und vor allem klaren Fluss. Vielversprechend!

Und es dauert tatsächlich nicht lange, bis ich meine erste Steelhead fange. Zu dritt fangen wir an dem Tag sagenhafte 19 Steelheads, darunter mehrere Fische zwischen 14 und 17 Pfund. Es war Peters Tag: Mit 11 Steelheads deklassiert er uns alle. Mit meinen fünf Steelheads bin ich aber vollauf zufrieden. Zudem habe ich mir an diesem Tag einiges von Peter abgeschaut.

24.9.2013: UPPER COPPER

Der Upper Copper hat es uns angetan, wir möchten den Vortag am liebsten wiederholen. Der Tag ist gewaltig schön mit viel Sonne und wenig Regen.

Das Beste: Ich fange neun Steels und verliere fünf weitere. Was für ein Tag!

Peter fängt drei, Kenneth fischt nur mit Trockenfliege, hakt zwei, verliert sie aber.

25.9.2013: UPPER COPPER

Ich fliege alleine mit Guide Kori und seiner Frau zum Upper Copper. Ein super Tag, ich hake viele Fische. Darunter eine Steelhead mit 95 cm und eine mit 101 cm!

26.9.2013: UPPER COPPER

Mein letzer Tag. Ich muss wieder zum Upper Copper, ich will noch so einen Tag erleben. Kalum und Skeena sind zwar wieder aufgeklart und fischbar, aber es zieht mich zum Copper. Ich will nichts riskieren und investiere noch einmal in den Helikopter.

Um 10 Uhr morgens habe ich bereits fünf Steelheads – was für ein Start! Abends sind es dann sieben Steelheads, eine davon mit 103 cm. Ein super Fisch. Nachmittags kommen zwei weitere Helikopter dazu; ich fische hinterher, was natürlich schwieriger ist.

ZUSAMMENFASSUNG

So schlecht der Trip angefangen hat und so frustrierend die Aussichten waren, so gut ist die Reise zu Ende gegangen. Die letzten vier Tage mit 32 gefangenen Steelheads, sind mein bleibender Eindruck von diesem Traumurlaub.

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